German poem
Ueber das Kranken-Bette der Frau Fürstin von Rudelstadt
by Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700–1760)
Seelen-Freund! hier liegt ein Herze, Das Dich unter allem Schmerze Gerne frölich loben wolte, Wie ein treues Herze solte.
Wehethun ist bey der Liebe Einer der gewohntsten Triebe; Wer dem Herrn am Herzen lieget, Wird nicht allezeit gewieget.
Höchste Lust und Herz-Vergnügen, Ich will Dir zu Füssen liegen, Mag mich doch die Welt verhöhnen, Wie Marien Magdalenen.
Ziehe mich, damit ich laufe, Taufe mich mit Deiner Taufe; Um den Sitz in Deinen Reichen Wollen wir uns schon vergleichen.
Schöner Bräutigam der Seele! Mich beschwert die Leibes-Höhle, Und mein Geist, das freye Wesen, Wird im Sterben erst genesen.
Christi Last ist leicht zu tragen, Der wird niemand gerne plagen: Die die Züchtigung erdulden Mögen Gott, als Vater, hulden.
Unser Wandel ist im Himmel, Ueber alles Welt-Getümmel: Der verderbten Erd entweichen, Wäre mir ein Gnaden-Zeichen.
Schöpfer, hier ist Dein Geschöpfe, Der geringste Deiner Töpfe, Du magst brechen oder bauen, Laß mich nur Dein Antlitz schauen.
Führst Du meinen Leibes-Schatten Rükwerts zu dem Ehegatten, Und zu meinen beyden Kindern, Will ichs eben auch nicht hindern.
Zeige mir nur Deinen Willen, Der soll meine Seele stillen: Denn in Deinem Willen schweben Das ist einer Seele Leben.
Sieger über Tod und Hölle, Laß die kranke Lager-Stelle, Und die mancherley Beschwerden, Mir zu einer Schule werden!
Ringe nur mit Deinem Kinde, So doch, daß ich überwinde, So wird aus den bittern Quellen Eine Fluth des Lebens schwellen.