German poem
Sonett an die Freiheit
by Oscar Wilde (1854–1900)
Nicht darum, weil ich hold bin deinen Söhnen, In deren Sinn nichts lebt als festgeballt Der eignen dumpfen Leiden Missgestalt, – Doch weil aus deinem wilden Machtverhöhnen, Aus deines Schreckensreichs Gewitterdröhnen Mir meiner eignen Leidenschaft Gewalt Und meinem Grimm ein Echo widerhallt, – Darum, du Freiheit! jauchzt bei deinen Tönen Mein Innerstes, sonst könnte Tyrannei Das heilge Recht der Völker immerhin Mit Knuten treffen und mit Kanonaden, Und meine Seele bliebe kalt dabei – Und doch, und doch! Gott weiss, wie eins ich bin Mit jenen Heilanden der Barrikaden.