German poem
Melancholie
Ein nacktes Jungfräulein hängt An einem Galgen: das Blut, das von Mund und Nase Und sonst herunter geflossen, bildet im Rasen Eine rote Lache, die mählich schwarz gerinnt So wie das Blut der lehmigen Pfützen umher Mit der sterbenden Abendröte vergeht. Sie sind: die Pfützen, die Augen der Dämmerung. Doch gegen das weiße ungeküßte Knie des Weibes Fliegt ein Rabe: Wie unmelodisch Ein Rabenflügel sich gegen den Rasen zeichnet Ehe die Dämmerung ganz herein ist.