German poem
Klagst du leise, daß hienieden
by Ottilie Wildermuth (1817–1877)
Klagst du leise, daß hienieden Dir ein Frauenloos beschieden? Neidest du des Mannes Streben Und sein keckes, freies Leben? Nimm das Beste dir zu eigen, Was den rechten Mann kann zeigen!
Einen guten, reinen Willen, Kraft und Muth, ihn zu erfüllen, Feste Treue fort und fort, Daß wie Gold dein schlichtes Wort; Lust zu graben nach dem Quell Edlen Wissens recht und hell; Füg’ dazu in Ernst und Scherz Warm und treu ein Frauenherz,
Liebevolles Frauensorgen, Das da waltet still verborgen; Ruhig heiteres Ergeben, Was auch bringe dir das Leben: Du und andre sinds dann wohl zufrieden Daß nicht Mannesloos dir ward beschieden.