Versos German Otto Ernst Schmidt Junge Liebe

German poem

Junge Liebe

by (1862–1926)

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Die Glut im Ofen Zerfällt mit Knistern— Ich bin bei den Eltern, Unter Geschwistern; An jedem Abend In engem Zimmer Sind wir versammelt Beim Lampenschimmer. Sie alle grollend Und finster schweigend— Ich in Gedanken Zu dir mich neigend.

Du bist geächtet In diesen Räumen— Du steter Gast mir In stummen Träumen. Ich bin gefangen In dumpfer Klause; Ich bin verlassen Im Elternhause! Und oft doch will mir's Die Brust zersprengen, Ans Herz der Eltern Mich hinzudrängen— Ich bin verlassen Unter den Meinen; Ich bin gefangen Und darf nicht weinen.

Da—welch ein Klingen Durchflog den Raum? Es fiel wie Amen In meinen Traum! Ein helles Jauchzen Und leises Klagen, Ein wehmutbanges Und süßes Fragen! Von ferne hört ich's Herüberwehen, Wo durch das Dunkel Die Winde gehen. Kaum, daß ich vernommen Den Hauch der Töne— Da standst du vor mir In aller Schöne, Mit hellen Augen, Mit blühenden Wangen, Als könnt' ich mit Armen Dich liebend umfangen ...

Du wolltest mich grüßen Aus dunkler Weite Und gabst dem Verlangen Ein Lied zum Geleite. Es hat mich gefunden, Da ich getrauert, Es hat mir selig Das Herz durchschauert! Du hast mich wieder Mit Licht umgeben; In meinem Kerker Blüht neues Leben!