Versos German Otto Ernst Schmidt Leben und Tod

German poem

Leben und Tod

by (1862–1926)

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Heut mittag war's; der Regen floß Vom Himmel schwarz und dicht. Ich saß an einem Sterbebett Mit nassem Angesicht.

Wir waren allein im stillen Gemach, Mein bester Freund und ich. Ich jung und frischen Lebens voll, Er jung—und todessiech.

Ich sprach ihm Trost und Hoffnung ein; Da ward ihm die Wange rot; Da sprach noch grasser aus seinem Blick Der nahe, schreckliche Tod.

Wir fühlten beide in stiller Brust Des Scheidens bittres Muß, Und unsre Lippen trafen sich Im ersten und letzten Kuß.—

Nun sank der Tag—der Freund ist tot. Du ruhst in meinem Arm, Du schönes, königliches Weib, So jung und liebewarm.

Du küssest heiß denselben Mund, Den ich dem Sterbenden bot: So nahe wohnt das Leid der Lust, So nah das Leben dem Tod.

Auf meinen Lippen fanden sich Die beiden an einem Tag— Was hemmt so jäh mir in der Brust Des Herzens schnellen Schlag?

... Ich seh ein Bett ... ein Totenbett! ... Daraufgestreckt ein Weib, Mich selbst davor, und wilde Angst Durchrüttelt meinen Leib;

Ich kenne die kleine, blasse Hand Und presse sie wild ans Herz ... Und ich erwach aus meinem Traum; Denn du schriest auf vor Schmerz.—