Versos German Otto Ernst Schmidt Sklavenmoral

German poem

Sklavenmoral

by (1862–1926)

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Mein Junge, du wirst zu treu und zu gut— Fast möcht ich dich wecken! Ich seh's mit schwellendem Stolz und ich seh's Mit wachsendem Schrecken.

Dein Auge feuchtet ein keuscher Glanz Wie Tau einer Blüte; Es atmet durch deinen weichen Mund Die träumende Güte.

Dir zuckt's um die Lippen bei fremdem Schmerz, Und du willst ihn lindern— Ein wunderbares, befremdliches Ding Bei der Menschen Kindern.

Pass' auf, sie werden dich früh genug Vor den Karren spannen; Und hast du die Last zu Berge geschleppt, Man hetzt dich von dannen.

Weh dir, wenn ein Gott in den Geist dir gelegt Gewalt des Propheten— Sie werden überbrüllen dein Wort Und im Kot dich zertreten.

Du wirst sie mit blankem, sausendem Schwert Zum Siege führen— Dann aber wirst du dich krümmen im Staub Vor ihren Türen.

Ich seh's um deine zarte Stirn Wie Dornen und Blut— Und ich reiße dich wild ans hämmernde Herz In aufjubelnder Glut.