German poem
Schwein und Pfau (Eine fatale Fabel)
by Otto Julius Bierbaum (1865–1910)
Es war einmal ein —Hastunichgesehn!— Es war einmal ein Schwein. Das war gewöhnlich —Hastunichgesehn!— Gewöhnlich nicht sehr rein.
Im gleichen Hofe —Herrgottnocheinmal!— Da schlug sein Rad ein Pfau; Der war so schön wie —Herrgottnocheinmal!— Nicht einmal seine Frau.
Das Schwein das grunzte —Hastunichgesehn!— Und wälzte sich im Dreck. Der Pfau der kreischte —Herrgottnocheinmal!— Und sah beleidigt weg.
Da kam ein Fleischer —Hastunichgesehn!— Und schlachtete das Schwein. Das kommt davon, sprach —Herrgottnocheinmal!— Der Pfau, wenn man nicht rein.
Mir kann so etwas —Herrgottnocheinmal!— Mein Lebtag nicht geschehn, Weil ich so rein und —Herrgottnocheinmal!— So schön bin anzusehn.
Da kam ein Bauer —Hastunichgesehn!— Und riß dem armen Vieh Die Federn aus, daß —Herrgottnocheinmal!— Es wie am Spieße schrie.
Die Fabel lehrt uns, —Leider ist es wahr!— Das Leben ist nicht fein. Der Dreck macht fett, doch —Leider ist es wahr!— Schlachtet man drum das Schwein.
Doch Schönheit leidet —Leider ist es wahr!— Viel mehr als Todespein. Sie wird lebendig —Leider ist es wahr!— Gerupft, weil sie zu rein.