German poem
Südtiroler Herbst
by Otto Julius Bierbaum (1865–1910)
Gelbleuchtend steht (wie Kapuzinerkresse) Der Latemar. Ein buntes Pantherfell Liegt rot-gelb-braun der Mendel um die Flanken. Die Rebenbogen sind von Trauben leer. Aus Riesenbottichen trieft rote Maische, Von feisten Rindern langsam heimgeführt Zum kühlen Keller auf staubweißen Straßen, Vorbei an Kruzifixen wunderlich geschmückt: Dort wo die Nägel durch die Heilandshände Kalt in das schwarze Marterholz sich bohren, Hängt, rechts und links dem vorgesenkten Haupte, Prall, Beer' an Beere innig so gedrängt, Als sei es eine ungeheure Frucht: Je eine schwere Traube. Durch die Krone Von Dornen windet sich, Korallen gleich, Aus Vogelbeeren eine rote Kette, Und dunkelgelbe Kolben Türkenkorns Umrahmen samengolden diesen Gott Des liebehingegebenen Schmerzenglücks. Es ist, als wär' es ein verstellter Pan.