German poem
Anbindebrief
by Paul Fleming (1609–1640)
die nicht auf Schönheit mehr als auf die Tugend schauen, der Weiber besten Schmuck! Worauf diß Binden zielt, ist nichts als Ehrlichkeit. Wem Redlichkeit beliebt, ist bösen Stücken feind. Was euch und mir gebühret, das wisset ihr und ich. Und daß ihr denn verspüret, daß ich des auch bin froh, was euch der Himmel giebt, so nehmet, werte Frau, von der euch guten Hand diß, obwol schlechte, hin! Der Gaben leichte Schalen wiegt auf mein schwerer Wundsch: daß, weil der Sonnen Strahlen erwärmen diese Welt, euch treff' kein Übelstand!