German poem
Dem letzten Veteranen von 1813
by Paul Holzhausen (1860–1926)
Hoch liegt die Stadt an Pommerns Bucht, Wo einst der Schwed’ gelandet, Die blaue Wog’ in ew’ger Flucht Zur See flieht, kaum gestrandet.
Ein Haus in jener Stadt ich weiß, Am Thor die Linde rauschet; Am Fenster sitzt ein stiller Greis, Er sitzt und sinnt und lauschet.
Vor seinem Ohr erdröhnt Geschütz, Laut rasseln Pulverwagen, Der Donner ist’s von Dennewitz, Wo sich der Ney geschlagen.
Ein Splittern, Krachen hört sein Ohr, Er sieht in Flammenhäuser: Schon ward gebrochen Leipzigs Thor, Es floh der stolze Kaiser.
Da war er jung, der „Vater Schmidt“, Wie konnt’ er schnell marschieren, Da zog er auch nach Frankreich mit, Bei Pommerns Füsilieren.
Und als der Held Napoleon Vom fernen Insellande Zurückerobert seinen Thron, Als frisch der Krieg entbrannte,
Hat er sich wieder aufgemacht Und bald in Belgiens Landen Im Feu’r der heißen Junischlacht Auf Lignys Feld gestanden.
Und nieder ist ein stiller Glanz Auf seine Stirn gestiegen, Er denkt der Nacht von Belle Alliance, Als die Kanonen schwiegen.
Er denket an die Wiederkehr, Als, auf der Brust den Orden, Er hingestellt hat das Gewehr Und ist ein Goldschmied worden.
Er denkt, wie in der Ostseestadt Wohl mehr als fünfzig Jahre Die Ringlein er geschmiedet hat Gar manchem jungen Paare.
Das hat mir vor geraumer Zeit – Ich werd’ es nicht vergessen – Vertraut er selbst, als ich zur Seit’ Im Sofa ihm gesessen.
Schon in die neunzig war der Greis, Heut’ sind es hundertviere, Ein neu Jahrhundert klopfet leis Von draußen an die Thüre.
O, mögest du ihm gnädig sein, Allmächt’ger Herr der Zeiten, Laß noch den neuen Morgenschein Auf seine Stirne gleiten!
Laß noch die Enkel um ihn her Ihm lauschen stillverwundert, Wenn er erzählt die große Mär Dem zwanzigsten Jahrhundert.