Versos German Paula Dehmel Der Märchenkönig Und Sein Töchterlein

German poem

Der Märchenkönig Und Sein Töchterlein

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Herbei, ihr kleinen Wichte, Kobold, Alraun und Wurzelmann, schafft hunderttausend Lichte und putzt damit die Bäume an! Bis in die höchsten Spitzen soll Licht bei Lichtlein blitzen.

Der Mond und alle Sterne sind doch bloß blasser Himmelsschaum; mein Töchterlein will gerne den ganzen Wald zum Weihnachtsbaum. Drum macht, wie ich euch sage, die Nacht zum hellen Tage!

Der Märchenkönig spricht's. Im Nu geht's an ein Lichterkneten; kein einziger sieht müßig zu, gönnt kaum sich Zeit zum Beten. Und als die Heilige Nacht heran, zünden sie alle Kerzen an.

Hei, war das ein Gestrahle, ein Leuchten, flimmern, überhell, als brach mit einem Male von Fels zu Fels ein Feuerquell. Auf Zweig und Äste blicken die Bäume mit Entzücken.

Der Meister führt sein Töchterlein durch diese Weihnachtspracht. Sie schreitet wie im Sonnenschein, fühlt Kälte nicht noch Nacht, und flüstert traumverloren: Die Liebe ward geboren.

Da rauschte durch die Weiten dies wundersame Wort, in Erd- und Himmelsbreiten pflanzt es sich heilig fort. Mit hunderttausend Kerzen glüht's heut in allen Herzen, klingt's heut durch alle Ohren: Die Liebe ist geboren!