Versos German Paula Dehmel Pumpfia

German poem

Pumpfia

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(fällt ihm um den Hals): Du guter einziger Papa, ich sag gewiß zu allen ja.

KÖNIG:

Leb wohl, ich muß zur Konferenz; es ist nicht gut, wenn ich die schwänz. (König ab.)

DRITTE SZENE.

Pumpfia, nachher Jagomir.

PUMPFIA:

Ich arme Pumpfia und Prinzessin, ach könnt ich doch mein Leid vergessen! allein, o leider ganz allein, in diesem holden Mondenschein! Kein Jüngling liebt mich nur ein bißchen, kein Prinz gibt mir ein holdes Küßchen. Mein Herz ist leer, mein Kopf ist dumm, ich fall vor lauter Sehnsucht um-- (fällt um.)

JAGOMIR (tritt auf):

Ich stahl mir heimlich hier herein, hier wird doch was zu mausen sein? (Schnüffelnd) Nee, wo mit Hammelfett gebraten, da regnet's sicher nich Dukaten. (Er erblickt Pumpfia ) 'ne Dame? Ei, wie wunderschön; die muß ich mal genau besehn. (Er tut's.) Ich nehme mir den Hochgenuß und geb ihr einen süßen Kuß. (Er tut's.)

PUMPFIA (erwachend):

Was ist das für ein schöner Mann? Ich wag's und red ihn lieblich an. Wer seid Ihr, herrlicher Genoß? Wie kamt Ihr her in dieses Schloß? Ich bin durch Euern Gruß beglückt; hat Euch ein Engel hergeschickt?

JAGOMIR:

'n Engel? Nee, das war der Robert; der hat das Ding hier ausbaldowert.

PUMPFIA:

Ist alles gleich; du bist mein Schätzchen, mein süßer Freund, mein Busenlätzchen.

JAGOMIR:

Aber--was wird dein Vater sagen?

PUMPFIA:

Ach was, wer wird den Alten fragen.

JAGOMIR (küßt sie):

Mein honigsüßer Sirupstengel, mein Marzipan, mein Zuckerengel!

PUMPFIA:

Welch Geist, welch Witz, welch hoher Held! Pumpfia geht mit dir durch die Welt!

JAGOMIR:

Mein Schätzchen, hast du auch Moneten?

PUMPFIA:

Die sind hier weniger vertreten; an diese Frage rühre nich, geliebter Freund, entführe mich.

JAGOMIR:

Na, denn man zu, du süße Hummel! (Beiseite) Verflixt, das wird 'n schöner Rummel.

VIERTE SZENE.

König, die Vorigen.

KÖNIG:

Prinzessin Pumpfia, Kasimir, wo seid ihr kleinen Schäker ihr? Ihr wollt euch wohl vor mir verstecken? Na wart't, ich werd euch gleich entdecken.

JAGOMIR (beiseite):

I, du meine himmlische Güte, die jlooben, ick sei ein Prinz von Geblüte; dabei gehör ick zum Räuberstand, der ernährt seinen Mann besser als so'n Land. (Laut): Guten Tag, Herr König, ich habe die Ehr und verbeuge mir sehr. (Er tut's)

KÖNIG:

Mein Vaterherz hüpft froh und warm: mein Pümpfchen in des Prinzen Arm. Mein hoher Gast, Prinz Kasimir, wie findet meine Tochter Ihr?

JAGOMIR:

Das Mädel hier? Na, himmlisch süß, wie'n Engelken im Paradies.

KÖNIG:

Na, nimm se dir se denn se doch, und spanne sie ins Ehejoch; dann kocht dir deine kleine Braut Erbsen mit Speck und Sauerkraut.

JAGOMIR:

Ach ja, und dann Kartoffelklöße mit einer süßen Pflaumensöße. (Umarmung.)

PUMPFIA:

Wenn man in deinen Armen ruht, dann kocht sich's gleich noch mal so gut.

KÖNIG:

Ich bin gerührt wie Quetschkartoffeln, verlier vor Rührung die Pantoffeln. (Er tut's; die Pantoffeln fallen in den Zuschauerraum.)

FÜNFTE SZENE.

Kanzler, die Vorigen.

KANZLER:

Der Brief kommt eben von der Post, der fünfundzwanzig Pfennige kost't.

KÖNIG:

Wie oft schon hab ich deklariert, ich nehme nichts mehr unfrankiert. Kommt mir noch mal so'n Ding ins Haus, dann fliegt es gleich zum Fenster raus. (Er öffnet den Umschlag) Laß sehn, was steht in diesem Brief.

JAGOMIR (beiseite):

Na, geht die Sache doch noch schief?

KÖNIG (liest):

"Prinz Kasimir entbeut den Gruß dem hohen König Pflaumenmus; er wird ihn heute noch besuchen und hofft auf Kaffee und auf Kuchen."-- Von alldem tut der Bauch mir weh; was nun, mein Schwiegersohn in spe? Seid Ihr denn nicht Prinz Kasimir?

JAGOMIR (stolz):

Ich bin der Räuber Jagomir!

KÖNIG:

Ein Räuber? Hu, das ist ein Graus, der reißt mir die Gedärme aus! Gewiß, er wird mich massakrieren und mir mein Pümpfchen dann entführen. (Er weint.)

PUMPFIA:

Was mich betrifft, ich halte still, wenn er nur dich verschonen will.

JAGOMIR:

Ich schon ihn gern, und auch sein Geld-- (beiseite): das er nicht hat! Ich bin ein edler Räuberheld.

PUMPFIA:

Mein süßer Schuft, mein Wonneheld, mit dir stehl ich die ganze Welt. (Umarmung.)

JAGOMIR:

Bald kommt der Kasimir ins Haus; komm, Pümpfchen, komm, wir rücken aus! Im Walde steht mein freies Schloß, da schläft sich's fein--auf Heu und Moos.

KÖNIG:

Na, dann leb wohl, mein teures Kind! Hier hast du noch ein Angebind (gibt ihr einen Zweimarkschein) und außerdem noch meinen Segen.

PUMPFIA:

Den kannst du uns auf Zinsen legen. (Beide ab.)

KÖNIG:

Nun sind sie weg, o Schmerz, o Graus, ich weine mir ein Auge aus. (Er tut es, wirft den Augenknopf unter die Zuschauer.) O Kasimir, Prinz Kasimir, warum warst du nicht eher hier! Wirr ist mein Herz, wirr ist mein Kopf; die Welt, die ist ein Wackeltopf. Nur eins ist unverrückt und wahr, nur eins wie meine Pleite klar: Hoch herrschen über Raum und Zeit die Frechheit und die Dreistigkeit. (Vorhang.)