German poem
Wanderlied
by Paula Dehmel
Sonnenlichter, Frühlingswichter spielen auf der dunkeln Wand. Prüfend öffne ich das Fenster; seht die Wolken, die Gespenster lösen sich am Himmelsrand.
Holla, Jungen, aufgesprungen, schnell das Ränzel aus dem Spind! Kommt, wir wandern durch die feuchten Saaten; wie Smaragden leuchten Halm an Halm im Morgenwind.
Feste Schritte, Männersitte; wie die Ferne lockt und wirbt! Und wir lassen sie im Schreiten achtlos oft vorübergleiten, bis sie hinter uns erstirbt.
Hohe Ziele, nicht zum Spiele; immer steiler wächst der Paß. Aber oben wolln wir rasten nach der Arbeit, nach dem Fasten; Jungens, trinkt, ich komm euch was!
Hoch im Blauen selig Schauen, unter uns der Erde Glück! Doch es zieht mit tausend Armen immer wieder zu den warmen Menschenstätten uns zurück.