Versos German Paula Dehmel Zweiter Streich

German poem

Zweiter Streich

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Vor dem Spiegel, kerzengrad, steht Herr Amtsvorsteher Plath; tadellos und mit Geschmack sitzt die Hose und der Frack, ausgezeichnet auch die glatte blütenweiße Taftkrawatte, Kragen, Vorhemd, comme il faut, und Herr Plath ist seelenfroh. Langt noch sorglich aus dem Schrank den Zylinder blitzeblank; nimmt dann Stock und Handschuh munter, steigt voll Stolz die Treppe runter, denn er ist heut eingeladen Zum Empfang bei ihrer Gnaden der Prinzessin Schneckenstein, und das hebt ihm Brust und Bein. Fixfax aber dachte gleich: wart, dir spiel ich einen Streich. Auf den Taubenboden geht er und nach losen Federn späht er, sammelt allen Flaum ins Säckchen, bläst verschmitzt das ganze Päckchen über Plathens neuen Frack und auf seinen Chapeau-claque. Plath sieht ganz befiedert aus, doch er ahnt nichts von dem Graus, steuert durch die Nacht geschwind, denkt bloß: was für'n arger Wind! tritt mit Würde in den Saal, Alle lachen--o Skandal! Bis er endlich sich besieht und geknickt von dannen flieht. Draußen denkt er ärgerlich: So ein Pech, das hab nur ich!