Versos German Pavel Jozef Šafárik Häretiker

German poem

Häretiker

by (1795–1861)

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Fragmente des Gedichtes «Häretiker» oder «Johann Hus»

Widmung des Gedichtes an P. Joseph Šafárik

Des Nachbars neues, gutes Haus Hat böser Nachbar angezündet, Wärmt sich genug und legt sich schlafen Und denkt bei sich: Nun ist es aus! Doch er vergaß noch auszustreuen Die graue Asche in den Wind; Still liegt die Asche auf dem Brandplatz, Und in der Asche glüht und glimmt Ein Funke noch des großen Feuers, Stirbt nicht, in der Verborgenheit Harrt er auf einen neuen Zünder Wie Rächer eine lange Zeit. Und lange, lange glomm der Funke, Aufflackernd leise dann und wann – Doch tot und öde war die Stätte, Und zu verlöschen fing er an.

So zündeten die deutschen Fürsten Das große Haus des Slawentums, So warfen sie den Brand der Zwietracht Hinein in das Geschlecht des Ruhms.

Es floß das Blut in Strömen, löschend Den Brand, und ruhig teilten dann Die Deutschen unter sich die Stätte Samt Waisen. Und so wuchs heran Das Slawenvolk in schweren Ketten, Unwissend in der Sklaverei, Von wem es ist gekettet worden Und was es soll und wer es sei. Doch auf dem alten Brandplatz glomm Ein Funke noch des Brudersinnes, Verlöschend, lange Zeit schon wartend Auf eine starke Hand, ein kühnes Gemüt. Da kamst du. In der Asche Entdeckt dein kühner Adlerblick, Dein liebend Herz den guten Funken, Gedrückt, erstickt vom Mißgeschick.

Du grubst hervor ihn und entfachtest Zum hellen, hehren Freiheitsbrand, Und die unsel’gen Slawenkinder Im unterjochten Slawenland – Du hast sie alle abgezählt Nicht Slawen, sondern Slawenleichen. Und auf dem großen Leichenfeld, Dem Tränenfelde sondergleichen, Standst du, ein zweiter Hesekiel, Und sieh’! Die Toten lebten wieder Und standen auf, umarmten sich Und sprachen liebend: Brüder! Brüder! Und die reichten sich die Hände Zum Liebesbunde treu und hehr, Und alle Slawenströme flossen Von nun in ein gemeinsam Meer.

So sei dir Ruhm von allen Slawen, Du Hort der Slawenbruderschaft, Daß aus dem Abgrunde des Deutschtums Du unser Recht emporgerafft. Dein neues, freies Slawenmeer Bald schwillt’s zu neuem Leben an, Bald trägt’s breitsegelige Schiffe Zum stillen Port auf sichrer Bahn. So sei dir Ruhm, du großer Tscheche, So sei dein Name hoch und hehr; Du hast alle Slawenströme Geführt in ein gemeinsam Meer.

Empfange denn in deinem Ruhme Auch dies mein kunstlos, arm Gedicht, Das von dem Märtyrer der Freiheit, Vom großen Tschechenhelden spricht, Vom Johann Hus. Empfang’s, o Vater, Und ich will beten innig, treu, Daß alle Slawen Brüder werden Und Wahrheitssöhne ohne Scheu Und ohne Wanken, wie der große Häretiker dort in Konstanz, Daß sie der Welt nur Frieden bringen Und ew’gen, klaren Ruhmesglanz.

Der Anfang des Gedichtes

«Rings Unrecht, Druck und Sklaverei, Die hartbedrückten Völker schweigen, Auf dem Apostelthrone sitzt Ein fetter Mönch, vor dem sich alle beugen.

Er schachert mit dem Menschenblut, Verpachtet gar das Paradies… O Gott, wo bleibt denn dein Gericht, Wo bleibt dein Heil, das uns dein Sohn verhieß?

Dein Wort getreten in den Staub Von Menschenfressern und von Räubern, Dein Ruhm verhöhnt und deine Macht… Willst du zum zweitenmal nicht deinen Tempel säubern?

In schweren Fesseln stöhnt die Welt, Die Mutter stöhnt mit ihren Kindern, Und niemand wagt’s, dem Feind sich kühn Zu stellen und der Mutter Schmerz zu lindern.

Und niemand wagt’s, der Wahrheit Banner Siegreich und stolz emporzutragen Und zu verteidigen die Armen… O Gott, wird es auch niemand wagen?

Und kommt denn nie der Strafe Zeit, Ob auch so lang man hoff’ und harre? Zerbrechen die drei Kronen nie Wir auf der stolzen päpstlichen Tiare?

Ja, wir zerbrechen sie! O segne Mich, Gott, doch nicht zu deinem Rächer! Zum Zeugen nur! Denn schwach ist meine Kraft, Und meine Hände sind noch schwächer. So segne denn mein stilles Wort, Daß sie es hören scharf und helle!»

So dachte einsam Johann Hus, Der Wahrheitsfreund, in seiner stillen Zelle. Befreien wollte er das Volk Von schrecklichen uralten Ketten, Ein großes Wunder wollt’ er tun, Den Glauben von der Pfaffen Hand erretten.

«Auf denn zum Kampf! Es mag geschehn! Gott wird die Wahrheit nicht verlassen!» Und in die Bethlehemskapelle Ging er, um im Gebet sich neue Kraft zu fassen.