Versos German Peter Florenz Weddigen Der leere Titel

German poem

Der leere Titel

by (1758–1809)

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(Gött. Mus. Alm. f. 1793.)

Das Kind der Finsternis und Nacht, Die Dummheit, ward einst aufgebracht, Dass sie auf unsrer Erde Längst nicht geschätzt mehr werde. Von Rach’ und Zorn entbrannt Erstieg sie den Olymp, wo sie die Götter An hoher Mittagstafel fand.

„O Vater Zeus,“ sprach sie, „sei du der Unschuld Retter! Ich hab’ es nicht verdient, dass Stadt und Land Mich, wie bisher gescheh’n, verachtet und verkannt. Ganz wider Fug und Recht lässt man auf Assembléen Und Gastereien mich stets an der Türe stehen. Gibt’s denn kein Mittel mehr auf Erden Für mich, geehrt und angesehn zu werden?“ „Die Frage,“ sprach der Gott, „ist einer Antwort wert. Ihr Götter gebt mir Rat, durch welches Mittel Wird auf der Unterwelt dies Weib geehrt?“

Minerva sprach: „Das beste Mittel, O Vater Zeus, ist wohl – ein leerer Titel; Denn heutzutage will durch Schein Das Publikum getäuscht stets sein. Ein Weiser trägt den Stern in sich, doch diese Fratze Wird nur bemerkt, wenn sie ihn zeigt am Latze.“