Versos German Peter Rosegger Wiens Genius

German poem

Wiens Genius

by (1843–1918)

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Am Grabe Anzengrubers.

(Zur Enthüllungsfeier seines Denkmals 1895.)

Ich singe hell an seiner Gruft Und spiele froh die Leier; Am Grabe des Unsterblichen Gibt's keine Todenfeier. Ihr in der Ferne seht des Meisters Herrliches Vollbringen; Ich weiß von seinem Menschentum Ein rührend Lied zu singen. Sein Haupt ist schön, auch wenn ich es Des Lorbeerzweigs entblöße, Wohl, Dichterkönnen preis' ich hoch, Noch höher Menschengröße. Wir Freunde sein, wir denken still Zu dieser Stund' aufs neue An seines Wesens schlichte Art, An seine Mannestreue. Die Wahrheit, die im Worte er Gefeiert und gespiegelt, Im Leben durch Wahrhaftigkeit Hat er sie, traun, besiegelt. Sein Leben war ein harter Kampf, Sein plötzliches Erliegen Erst hat die Welt ihm aufgeschreckt; Sein Fallen war sein Siegen. Sein Erdentag war wolkentrüb, Das lichte Ziel zu ferne, Nun leuchten, seit die Sonne sank, Die Werke hell wie Sterne, Sie leuchten über die weite Welt, Doch jetzt will ich erinnern: Sein Wiegenhaus, sein Schaffensheim, Sein Grab gehört den Wienern. An solchen Stätten blicket auf Sein Volk in Stolz und Schauern; Ein Jauchzen hat es, daß er kam, Und daß er ging, ein Trauern.— O späte Liebe, die wir anders Nimmer stillen können, Als daß wir dankend, sühnend Seine Lebensstätten krönen. Wir graben ein in Marmelstein Den Namen, den wir lieben. Er selbst hat sich mit Loderbrand Dem Volk ins Herz geschrieben.