German poem
Das Fünffte Lied
by Philipp von Zesen (1619–1689)
Höchster Schatz/ Freuden-Platz/ Komm her zu mier/ Ich wincke Dier.
Ach was sol ich bey dir thun?
Deine Geberden/ dein reden und lachen können mich schweigend und rede-loß machen.
2.
Ach mein Licht/ Laß mich nicht verwarten hier/ Ich muß von Dier.
Eine Viertheil-Stunde nur!
Liebster/ Er solte wohl meiner genießen/ Aber es möchte der Mutter verdrießen.
3.
Ach! mein Licht Es kan nicht verdrüßen Ihr/ Ach! bleib bey mir.
Nein: Ich kan nicht warten hier.
Ist doch die Mutter zu Gaste gegangen/ Bleibe doch immer mein bestes Verlangen.
4.
Nein ich muß Kuß ümb Kuß vergelten nicht/ mein schönes Licht.
Kann es denn so gar nicht seyn?
Ich scheide zwar itzo doch ist dir ergeben/ Liebster zu eygen mein Leben und Schweben.
5.
Soll ich nun Dieses thun und bleiben hier Ohn alle Zier!
Liebster/ nun gehab dich wohl!
Scheiden zwar schmertzet/ doch muß ichs ertragen/ Hoffen des besten/ verschmertzen das klagen.