German poem
An Verschiedene Freunde
Das ist mein Streit: Sehnsuchtgeweiht durch alle Tage Sehweifen, Dann, stark und breit, mit tausend Wurzelstreifen rief in das Leben greifen-- und durch das Leid weit aus dem Leben reifen, weit aus der Zeit!
Du meine heilige Einsamkeit, du bist so reich und rein und weit wie ein erwachender Garten. Meine heilige Einsamkeit du-- halte die goldenen Türen zu, vor denen die Wünsche warten.
Der Bach hat leise Melodien, und fern ist Staub und Stadt; die Wipfel winken her und hin und machen mich so matt.
Der Wald ist wild, die Welt ist weit, mein Herz ist hell und groß; es hält die blasse Einsamkeit mein Haupt in ihrem Schoß.
Ich liebe vergessene Flurmadonnen, die ratlos warten auf irgendwen, und Mädchen, die an einsame Bronnen, Blumen im Blondhaar, träumen gehn.
Und Kinder, die in die Sonne singen und staunend groß zu den Sternen sehn, und die Tage, wenn sie mir Lieder bringen, und die Nächte, wenn sie in Blüten stehn.
Warst du ein Kind in froher Schar, dann kannst du's freilich nicht erfassen, wie es mir kam, den Tag zu hassen als ewig feindliche Gefahr. Ich war so fremd und so verlassen, daß ich nur tief in blütenblassen Mainächten heimlich selig war.
Am Tag trug ich den engen Ring der feigen Pflicht in frommer Weise. Doch abends schlich ich aus dem Kreise, mein kleines Fenster klirrte--kling-- sie wußtens nicht. Ein Schmetterling, nahm meine Sehnsucht ihre Reise, weil sie die weiten Sterne leise nach ihrer Heimat fragen ging.
PFAUENFEDER:
in deiner Feinheit sondergleichen, wie liebte ich dich schon als Kind. Ich hielt dich für ein Liebeszeichen, das sich an silberstillen Teichen in kühler Nacht die Elfen reichen, wenn alle Kinder schlafen sind.
Und weil Großmütterchen, das gute, mir oft von Wünschegerten las, so träumte ich, du Zartgemute, in deinen feinen Fasern flute die kluge Kraft der Rätselrute-- und suchte dich im Sommergras.
Oft denk ich auf der Alltagsreise der Nacht, und daß ein Traum mir frommt, der mir mit Lippen, kühl und leise, die schwüle Stirne küssen kommt.
Dann sehn ich mich, die Sterne glänzen zu sehn.--Der Tag ist karg und klein, die Nacht ist weit, hat Silbergrenzen und könnte eine Sage sein.