German poem
Damit Ich Glücklich Wäre--
das müßte sein von jenen blanken Lenztagen einer, da die Kranken man vor die dunklen Türen bringt. Im Flieder ist ein Spatzenzanken, weil keinem rechter Sang gelingt. Der Bach, dem alle Bande sanken, weiß nicht, was tun vor Glück, und springt bis aufwärts zu den Bretterplanken, dahinter Beete, kiesumringt, und Blumenblühn und Birkenschwanken. Und vor dem Häuschen, goldbezinkt, um das der Frühling seine Ranken wie liebeleise Arme schlingt-- ein blondes Kind, das in Gedanken das schönste meiner Lieder singt.
An manchem Tag ist meine Seele still: Ein Gotteshaus, draus alle Beter gingen. Ein Engel nur wehrt mit den goldnen Schwingen dem Weihrauch, der mit seinen leisen Ringen den Jubel seiner Arme fesseln will.
Verträumte Heiligenbilder dunkeln drin in ratlos-sehnendem Erhörenwollen: Sie warten auf den Sonntag mit den vollen Gestühlen und dem großen Orgelrollen-- und blasse Ampeln schwanken her und hin.
Nennt ihr das Seele, was so zage zirpt in euch? Was, wie der Klang der Narrenschellen, um Beifall bettelt und um Würde wirbt, und endlich arm ein armes Sterben stirbt im Weihrauchabend gotischer Kapellen,-- nennt ihr das Seele?
Schau ich die blaue Nacht, vom Mai verschneit, in der die Welten weite Wege reisen, mir ist: ich trage ein Stück Ewigkeit in meiner Brust. Das rüttelt und das schreit und will hinauf und will mir ihnen kreisen.... Und das ist Seele.
Die hohen Tannen armen heiser im Winterschnee, und bauschiger schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser. Die weißen Wege werden leiser, die trauten Stuben lauschiger.
Da singt die Uhr, die Kinder zittern: Im grünen Ofen kracht ein Scheit und stürzt in lichten Lohgewittern,-- und draußen wächst im Flockenflittern der weiße Tag zur Ewigkeit.
Der Abend kommt von weit gegangen durch den verschneiten, leisen Tann. Dann preßt er seine Winterwangen an alle Fenster lauschend an.
Und stille wird ein jedes Haus; die Alten in den Sesseln sinnen, die Mütter sind wie Königinnen, die Kinder wollen nicht beginnen mit ihrem Spiel. Die Mägde spinnen nicht mehr. Der Abend horcht nach innen und innen horchen sie hinaus.
Das Wetter war grau und grell; der Abend ist lichter und leiser. Sicher kommt irgendein Kaiser: Alle Häuser sind hell. Und so festlich und weich war das Abendgebimmel; die Alten schaun in den Himmel, und die Kinder sind reich.
Sonne verlodert am Himmelsrain. Durch ernteverarmte Krumen waten die Weiber feldein.
An den verschimmernden Schienenreihn beim Bahnhüterhäuschen, sommerallein, sinnen Sonnenblumen.
Du arme, alte Kapelle mit deiner verstaubten Zier-- der Frühling baut eine helle Kirche neben dir.
Viel frierende Frauen hinken in deine Weihrauchruh, draußen die Kinder winken allen Rosen zu.
Die Mädchen singen: Alle Mädchen erwarten wen, wenn die Bäume in Blüten stehn; wir müssen immer nähn und nähn, bis uns die Augen brennen. Unser Singen wird nimmer froh, fürchten uns vor dem Frühling so: Finden wir einmal ihn irgendwo, wird er uns nicht mehr erkennen.
Lehnen im Abendgarten beide, lauschen lange nach irgendwo. "Du hast Hände wie weiße Seide...." Und da staunt sie: "Du sagst das so...."
Etwas ist in den Garten getreten, und das Gitter hat nicht geknarrt, und die Rosen in allen Beeten heben vor seiner Gegenwart.
Eine der weißen Vestageweihten lächelte Gnade dem Todbereiten, löste ihm von der Stirn die Schmach.
Dann sehnte sie wie eine Sklavin dem Schreiten des todbefreiten, Schulter breiten Epheben nach.
Im Kreise der Barone der König ritt zur Jagd. Ihm wohnte in roter Krone ein einsamer Smaragd.
Da gibts unter hellen Hufen Wege so weit und weiß; keiner hört Hilfe rufen, und der Mittag ist heiß....
Ob einer den König erkannte?
Die Dohlen im Abend schrien.
Die allerkühnste spannte den Flug schon über Ihn: Auf des Königs Stirne brannte ein einsamer Rubin.
Ein weißes Schloß in weißer Einsamkeit. In blanken Sälen schleichen leise Schauer. Todkrank krallt das Gerank sich an die Mauer, und alle Wege weltwärts sind verschneit.
Darüber hängt der Himmel brach und breit. Es blinkt das Schloß. Und längs den weißer Wänden hilft sich die Sehnsucht fort mit irren Händen.... Die Uhren stehn im Schloß: es starb die Zeit.
Irgendwo muß es Paläste geben, drin die Fenster von Staub verschnein; in der Säle hallende Reihn tauchen tote Tage hinein: Gestalten wallen, es warnt der Schrein; und kein lustiger Leuchterschein reicht In das einsame Seltsamsein....
Dorten wollen wir Feste gehen-- märchenallein.
Im Schlosse mit den roten Zinken wär ich so gern des Abends Gast. Die Fenster glühn, die Falten sinken, und meine weißen Wünsche winken mir aus dem lodernden Palast.
Ich will durch lange Hallen schleichen und in die tiefen Gärten schaun, die über alle Marken reichen. Und Frauen lächeln an den Teichen, und in den Wiesen prahlen Pfaun....
Einmal möcht ich dich wiederschauen, Park, mit den alten Lindenalleen, und mit der leisesten aller Frauen zu dem heiligen Weiher gehn.
Schimmernde Schwäne in prahlenden Posen gleiten leise auf glänzendem Glatt, aus der Tiefe tauchen die Rosen wie Sagen einer versunkenen Stadt.
Und wir sind ganz allein im Garten, drin die Blumen wie Kinder stehn, und wir lächeln und lauschen und warten, und wir fragen uns nicht, auf wen....
Es kommt in prunkenden Gebreiten der Abend wie ein leiser Gott. Den Rappen vor! Jetzt will ich reiten durch purpurbunte Einsamkeiten in bügelleichtem Träumertrott.
Ich atme tief. Ich werde Kaiser. Mein heiler Helm ist losgeschnallt, und meine Stirne streifen Reiser und rauschen so. Und leiser, leiser hallt Huf und Ruf im roten Wald.
Horch, verhallt nicht ein scheuer Schrei von den Hängen her? Aus dem morschen Klostergemäuer kann der Abend nicht mehr. Er sucht sich wund an der Wand. Und mit hilfloser Hand in das Säulengedränge, in ewige Gänge, wirft er den Brand. Feuer.-- In schlichtem Gewand flieht er, der Heimkehr singender Heuer leise gesellt, ins verlöschende Land.
Der König Abend weiß sich schwach und satt, und ihm geschieht: Er schenkt sein Gold dem jungen Bach, der einem Hirtensingen nach in Menschen lande zieht.
Jetzt ist der Bach ein Königskind. Er jubelt laut Alarm und gibt den wunden Krumen blind sein Gold.--Und wo die Hütten sind, dort ist er wieder arm.
Der Tag entschlummert leise,-- ich walle menschenfern.... Wach sind im weiten Kreise ich--und ein bleicher Stern.
Sein Auge licht durchwoben ruht flimmernd hell auf mir, er scheint am Himmel droben so einsam, wie ich hier....