Versos German Richard Leander Herr im Hause

German poem

Herr im Hause

by (1830–1889)

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Schlich der Zorn durch’s Hinterpförtchen Auf den Zehen kaum hinaus, Klopft es schon: »Nur auf ein Wörtchen, Bitte, öffne mir das Haus.« Und – wahrhaftig! auf der Gasse, Just als wäre nichts gescheh’n, Steht die Liebe. Nein, ich lasse Ganz bestimmt sie weiter geh’n.

Hab’ ich hier nicht in der Wohnung, Heut’ erst, offen ihr erklärt, Dass die Nachsicht und die Schonung Allzu lange nun gewährt? Dass verschlossen bleiben solle Meine Thür ihr allezeit; Dass nach ihrer Gunst ich wolle Fürder fragen keinen Deut?

Dass sie diese letzten Wochen Mich gepeinigt bis auf’s Mark? Und doch wagt sie anzupochen? Nun, das nenn’ ich wirklich stark! Immer klopfe, immer rufe, Narr, der je dir Antwort gab; Auch nicht eine einz’ge Stufe Steig ich deinethalb hinab! Stets war ich für dich zu finden, Rasch vergass ich jeden Groll, Aber deine letzten Sünden – Nein, die waren gar zu toll. Immerdar sind wir geschieden, Noch einmal sei dir’s gesagt; Also geh’ und lass’ in Frieden, Den so lange du geplagt.

Doch sie schmeichelt: »Schick’ mich, Schätzchen, Ungehört nicht von dir fort; Nur ein Fünfminutenschwätzchen – Und ich gehe, auf mein Wort! Ruhig bin ich und vernünftig, Und mein Unrecht reut mich schwer; Glaube mir, ich werde künftig Dich erzürnen nimmermehr.«

Tritt denn ein! rief ich der Liebe, Die mich störte, unwirsch zu; Aber mach es kurz, Verehrte, Und dann lasse mich in Ruh! Doch kaum steht sie auf der Schwelle, Schliesst die Thür sie hinter sich, Spricht: »Für alle weitern Fälle, Die den Schlüssel führt, bin ich.

Was? dich reut’s, dass aufgeschlossen Du die Thüre? Ohne mich Kannst du leben! Narrenpossen! Bester Schatz, ich kenne dich! Hat man jemals hören müssen Von der Jugend solch ein Wort? Aber, traun, du sollst es büssen, Und ich bleibe, dir zum Tort.

Ja ich bleibe! Ihre Rechte Opfert nicht die schlecht’ste Frau, Und die meinen, – nun ich dächte, Sind bekannt dir sehr genau. Drum am besten ist’s, wenn gütlich Du des Streites dich begiebst; Sieh, du bist schon ganz gemütlich, Und bei dir ist’s – allerliebst!«