German poem
Gedichte von Isolde Kurz
by Rudolf Gottschall (1823–1909)
„Hingestreckt zwischen beiden Meeren Liegst du und träumst in Mittagsruh, Götterliebling! Und die Wellen singen ihr altes Lied, Das wellenalte, Von deiner Schöne, von deinem Ruhm.“ So weiß kann keine Wäscherin Als wie die Liebe waschen. Da bringt Verschwärzen nicht Gewinn, Sie haucht nur auf die Flecken hin Und weg sind Staub und Aschen.
Die Thrän’ aus ihrem Aug’ so treu Ist wunderthät’ge Lauge. Nicht Jordans Wasser schafft so neu, So rein macht Buße nicht und Reu’ Wie Thrän’ aus Liebesauge.
Und wär’ die Schuld so riesengroß, Und könnt’ sie Engel fällen, Und reicht’ bis in der Hölle Schoß: Die Liebe wäscht sie fleckenlos Mit ihres Herzbluts Wellen.
O schilt mir nicht um ihren Fleiß Die Wäscherin, die gute, Und wäscht sie auch die Mohren weiß, Sie thut’s mit Thränen rein und heiß, Sie thut’s mit ihrem Blute.
„Herzen schartig, rostzerfressen, Nimmt er gern und schmilzt sie ein; Aus dem Feuer seiner Essen Gehn sie ganz und spiegelrein.“