German poem
Der gefangene Riese
Der gefangene Riese.
Er rang sich wund an seinen Ketten Verzweiflungsvoll in strenger Haft, Und nimmer hofft er sich zu retten Aus dem Verließ durch eigne Kraft, Und Sonnenlicht und Wellenrinnen Und Finkenschlag und Fichtenduft, Sie wurden seinen trüben Sinnen Zu Traum und Schaum im Bann der Gruft.
Es starrt sein Blick in öde Weiten Und grau ist alles, todt und kalt. Da sieht er schlüpfen es und gleiten Behend durch jeden Gitterspalt, Und Zwerglein sieht er dann erscheinen In knappen Wämsern, silbergrau, Und all’ die fünfundzwanzig Kleinen, Sie nicken tröstend ihm und schlau.
Und emsig trippelnd sieht er eilen Ans Rettungswerk den Zwergenschwarm, Und emsig, unermüdlich feilen Die Fesseln sie von Fuß und Arm. Sie sehn mit kicherndem Gelächter, Wie er die Eisenthür erbricht ― Er fällt mit einem Schlag den Wächter Und stürmt empor zu Luft und Licht.
Es fliehn mit schreckensbleichen Wangen, Die lange sicher sich geglaubt, Seit sie den Mächtigen gefangen Und Reich und Freiheit ihm geraubt. Er war im Kerker wohl verdorben, Von wannen keine Wiederkehr, Er war vielleicht bereits gestorben ― Sie durften schwelgen nach Begehr.
Nun steht er da ― sein Auge lodert. Zerstoben ihr gestohlen Glück! Mit drohender Geberde fordert Sein Recht der Schreckliche zurück. Es scheucht der Anblick seiner Züge Den Troß, der lange ihn verlacht, Es flüchtet die entlarvte Lüge Zurück ins Schattenreich der Nacht.
Und Jubel weckt in Feld und Gassen Das Tagen einer bessern Zeit, Und freudig zeigt der Fürst den Massen Die Zwergenschar, die ihn befreit. Er neigt sich dankend vor den Kleinen, Die ihn erlöst aus Kerkerdunst ― Ja, als Erretter darf erscheinen Dem Menschengeist die Druckerkunst. ―