German poem
Des Deutschen Lebenslauf
Des Deutschen Lebenslauf
In Deutschland hat in stiller Nacht Ihn die Mama zur Welt gebracht, Denn das erlaubt – wir sind ja frei – Die hohe deutsche Polizei. Als er sodann ins dritte Jahr Mit Ach und Krach gekommen war, Beschenkte man den kleinen Schelm Bereits mit Flinte, Schwert und Helm; Und er erfuhr – zu rechter Zeit – Bei dieser Festgelegenheit Durch Vaterworte voll Gewicht, Was eines Deutschen erste Pflicht. Es ward geschickt zur Schule dann Der ahnungslose kleine Mann, Wo man ihn gründlich eingeweiht In Deutschlands Macht und Herrlichkeit Und wo das Nöt’ge er erfuhr Von unsrer sittlichen Natur Und von der Fülle von Gemüt Und Treue, die in Deutschland blüht, Indes die ganze andre Welt In Schmutz und Dummheit sich erhält. Was in der Lehre er gelernt, Hat zwar fürs Leben nicht entfernt Und für die Praxis ausgereicht; Doch nahm er solches Manko leicht, Denn bald darauf ward er Soldat, Den oft man auf die Beine trat Und den mit Umsicht und Bedacht Zu einem Menschen man gemacht. Nach ein’ger Zeit, wie man’s so treibt, Hat er sich regelrecht beweibt Und mit der Liebsten bis zuletzt Sechs Kinder in die Welt gesetzt, Auch unter manchem Schicksalsschlag Sich abgerackert Nacht und Tag. Es hungert sich zur Not ganz leicht, Wenn es nur für die Steuern reicht; Genügt’s doch, daß man mit Gewalt Den Schmachtriem’ etwas enger schnallt. Nun denkt er mit gerechtem Stolz Des Schlafrocks wohl aus Fichtenholz, Weil ehrlich sein Gewerb er trieb Und Steuern niemals schuldig blieb; Und weil in Frieden der verfault, Der nie gemurrt und nie gemault.