Versos German Rudolf Lavant Verlorene Freunde

German poem

Verlorene Freunde

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Verlorene Freunde.

So oft auf schmalem Lebenspfade Mich überholt ein rascher Fuß, So oft ein Wandrer freundlich nahte Mit hellem Blick und warmem Gruß — Ich schlug, gerührt von seinem Bitten, In seine Rechte freudig ein Und weiter sind wir dann geschritten, Als könnt' es nimmer anders sein.

Doch lange nicht. Das Plaudern stockte Und gar zu einsam war der Weg, Und auf die breite Straße lockte Es ihn zurück vom Wiesensteg. Ich sah ihn eilig weiter wandern Und oft noch winken mit der Hand, Bis im Gewühl der vielen andern Der einzelne dem Blick entschwand.

Doch war ich nie darob in Reue, Daß meinen spröden, kühlen Stolz Ein Wort voll Biederkeit und Treue, Ein Blick voll echter Güte schmolz, Daß ich erglühte und erbleichte, Und daß es seltsam mich beglückt, Wenn ich die Hand, die dargereichte, In stummer Innigkeit gedrückt.

Wenn lustig zwitschernd Dir und schwirrend Ein Vöglein auf die Schulter fliegt, Und an die Wange, leise girrend, Das Köpfchen Dir vertraulich schmiegt, Wenn Deine Hand sich ohne Zagen Ein Falter wählt als Ruheziel, Und auf und zu sich leise schlagen Die bunten Flügel wie im Spiel —

Bist du nicht bang, daß ein Bewegen Den lieben kleinen Gast verscheucht, Und macht dir nicht ein tiefes Regen Der Dankbarkeit die Wimper feucht, Und hat wie Veilchenduft im Winter, Dich das Vertrauen nicht gerührt, Das Dir die schlauen, schnellen Kinder Der freien Lüfte zugeführt?

Daß sie kein Hauch vor Dir vertriebe, Beherrschst Du jeden Athemzug, Und stießest rau zurück die Liebe, Die Dir ein Mensch entgegentrug. Obwohl es nur ein Sicherneuen Des gleichen holden Wunders ist, Wenn treulich nahn die Ewigscheuen Und wenn sein Ich ein Mensch vergißt?

Rudolf Lavant.