German poem
Die Burg Liebeneck
by Samuel Friedrich Sauter (1766–1846)
Siehe mit gerührter Miene Diese alte Burgruine! Des gekränkten Kuno Hand Hat einst Liebeneck verbrannt.
Hildegard, die Hochverehrte, Deren Herz ihm angehörte, Trug in diesem Schlosse Leid Eine lange, lange Zeit.
Durch den Eisbart, muß man wissen, Ward den Eltern sie entrissen Und auf diese Burg gesetzt, Wähnend, er bekomm’ sie jetzt.
Trotz des Ritters Schmeicheleien Wich sie doch nicht vom Getreuen, Welcher aber weit hinweg Nichts erfuhr von Liebeneck.
Endlich ist’s ihm zugegangen, Wo sein Fräulein sei gefangen. Und er eilte jetzt im Flug Hin mit einem Heereszug.
Als der Räuber ihn sah kommen, Hat er sie in Arm genommen, Sich mit ihr ganz fest geschürzt Und in eine Bucht gestürzt.
Kuno, der dies noch gesehen, Wollt’ vor Schmerzen schier vergehen, Gräßlich schrie er: Höllenhund!! Gingst du doch allein zu Grund!
Rache! Rache! Feuer! Feuer! Schrie er jetzt ganz ungeheuer, Und im Augenblicke stand Dieses Räubernest in Brand.