English poem
Untitled
D
[Vide ante, p. 309]
STOLBERG
BEI WILHELM TELLS GEBURTSSTÄTTE IM KANTON URI
Seht diese heilige Kapell! Hier ward geboren Wilhelm Tell, Hier wo der Altar Gottes steht Stand seiner Eltern Ehebett!
Mit Mutterfreuden freute sich Die liebe Mutter inniglich, Die gedachte nicht an ihren Schmerz Und hielt das Knäblein an ihr Herz.
Sie flehte Gott: er sei dein Knecht, Sei stark und muthig und gerecht. Gott aber dachte: ich thu' mehr Durch ihn als durch ein ganzes Heer.
Er gab dem Knaben warmes Blut, Des Rosses Kraft, des Adlers Muth, Im Felsennacken freien Sinn, Des Falken Aug' und Feuer drin!
Dem Worte sein' und der Natur Vertraute Gott das Knäblein nur; Wo sich der Felsenstrom ergeusst Erhub sich früh des Helden Geist.
Das Ruder und die Gemsenjagd Hatt' seine Glieder stark gemacht; Er scherzte früh mit der Gefahr Und wusste nicht wie gross er war.
Er wusste nicht dass seine Hand, Durch Gott gestärkt, sein Vaterland Erretten würde von der Schmach Der Knechtschaft, deren Joch er brach.
FRIEDRICH LEOPOLD GRAF ZU STOLBERG, 1775
The German original is supplied in the Notes to P. W., 1893, pp. 618, 619.