German poem
Christus hat mich sehr geliebt
by Sidonia Hedwig Zäunemann (1711–1740)
Christus hat mich sehr geliebt, Und viel Schmach für mich gelitten; Seine Seele war betrübt, Als er mit dem Tod gestritten. Welches mir das Leben giebt. Christus hat mich sehr geliebt.
HERR mein Heyl! was forderst du? Was wilst du vor diese Liebe? Nichts, als daß ich gleiches thu; Daß mein Hertz dich ewig liebe. Nimm es, dir gehört es zu, Herr mein Heyl; das forderst du.
Reich mir aber deine Gnad, Daß ichs rein von Sünden halte, Und durch keine Missethat, Mich von deiner Liebe spalte: Daß ich folge deinem Rath; Reich mir Jesu deine Gnad.
Iesu! Jesu! dir allein Sey mein Herze übergeben. Geh o Welt mit deinem Schein! Christus soll nur in mir leben. O! wer nimmt mein Herze ein! Jesu! Jesu, du allein.
Schaffe mit mir, was du wilt; Führ mich nur auf deinem Wege. Weil dein Glanz mein Aug erfüllt, Hasse ich die Sünden-Stege. Ob mich Welt und Sattan schilt! Schaffe mit mir, was du wilt.
Treibe mich nach Thabors Höh, Wo es gut zu wohnen scheinet; Wilst du, daß ich stille steh An dem Oelberg, wo man weinet: Sieh nur, wie ich freudig geh; HERR! ich folg auf jede Höh.
IESUS führt mich bey der Hand, Darum werd ich niemahls fallen; Muß ich gleich zum Vaterland, Wie mein Jesus thränend wallen. Trotz sey allem Wiederstand! Jesus führt mich bey der Hand.
Aber kan es möglich seyn, Ey! so führe meine Seele Bald aus ihrer Sünden-Pein, Daß sie sich nicht länger quäle; Führe sie zum Himmel ein; Könt es doch bald möglich seyn.
Nun wohlan! mit Freudigkeit Eil ich zu den Sternen-Hügeln, Wo mir Gott die Krone beut, Meinen Glauben zu besiegeln. O vergnügte Ewigkeit! Du schaffst lauter Freudigkeit.
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