Versos German Sigmund von Birken Die Weiber-Treu der Frauen zu Weinsberg

German poem

Die Weiber-Treu der Frauen zu Weinsberg

by (1626–1681)

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LAsset uns ein Liedlein singen von belobter Weiber-Treu/ Weiber-Lob in Reimen bringen/ alte Thaten machen neu; sie sind würdig zuerzählen: Es verdienen ein Gedicht solche fromme Weiber-Seelen/ und eine ewigs Ruhmgerücht.

2. Weinsberg / eine Burg zu Bayern/ (die einmal ein Weinberg war) heißet uns die That verneuern ihrer frommen Weiber-Schaar. Welff / der Herzog wild von Sitten/ wurde von dem Keyserheer hart belagert und bestritten/ that aus Weinsberg gegenwehr.

3. Unversöhnlich war entbrennt das ergrimmten Keysers Zorn. Weinsberg wurde hart berennet; Welffen war der Tod geschworn; Er / kond keine Gnad erwerben; Conrad / Weinsberg schleiffen wolt. Ach da ware nah / das Sterben; Gnade / theurer war als Gold.

4. Stolze Männer / dörfft ihr sagen/ daß ihr Alles könnt allein/ wie daß ihr nit weggeschlagen von der Burg benahmt vom Wein/ die gefürchten Feindeshauffen? wo blieb damals euer Trutz? daß dem Tod ihr kondt entlauffen/ wurden Weiber euer Schutz.

5. Weiber / wusten Raht zufinden/ da den Männern Witz gebrach; Weiber konden überwinden/ da die Männer wurden schwach. Conrad / hatt erhöht ihr Flehen/ daß ein jede sicherlich aus der Vestung möchte gehen/ tragen / was sie könd / mit sich.

6. Was beginnen da die Weiber? Nicht (wer hats gehöret je?) Gold und Silber; nein die Leiber ihrer Männer fassen sie auf dem zarten schwachen Rücken/ tragen sie zur Burg hinaus; Väter / Brüder / sah man drücken ihre Achseln vor dem Haus.

7. Keyser Conrad / zwar betrogen/ muste dannoch dieser Treu in dem Hertzen seyn gewogen: dessen Zeug sein Weinen sey; Herzog Welffen ward verziehen/ und der schönen Burg verschont. Solch ein löblich Liebsbemühen billich ward mit Gnad belohnt.

8. Männer! legt die Feder nieder/ rühmt nit mehr wie ihr gethan den Eneas und zween Brüder/ die aus Troja und Catan aus dem Brand hinweg getragen ihre Eltern / ist es wahr: Höret hier / was mehr ist / sagen von der frommen WeiberSchaar

9. Euren Ruhm habt ihr zubauen auf drey Männer nur allein: Dreissigmahl drey treue Frauen/ dreymahl mehr zu loben seyn/ Dencket doch: es trugen Weiber/ schwach von Rücken / arm an Stärk/ die so schweren Männer-Leiber. O ein treues Wunderwerk!

10. Lasst es mir ein Wunder heissen/ weil es Wunder auch gethan: Als / die Sag hiervon / thät reisen zu dem Herzog von Toscan/ und ihn krank fand auf dem Bette/ machte sie ihn stracks gesund; Weiber Treu thät an stätte/ was die Arzeney nit kond.

11. Schweiget nun / ihr WeiberFeinde; lobt / was ihr zuvor geschmäht. Frauen / sind die treusten Freunde/ ihre Lieb vor alles geht. Welcher Mann wolt anderst sagen/ soll nit seyn so würdig auch/ daß ihn eine Frau solt tragen auf dem Rücken oder Bauch.

12. Nit wehrt ist er (will ich sagen) daß ihn lang in Mutterleib und auch lange hat getragen auf dem Arm / ein treues Weib. Aber mehr als gute Zeiten der verdient und auch bekam/ der ins Buch der Ewigkeiten trägt den wehrten Weiber-Nahm.