German poem
Christliches Trost-Lied Dem Hn. Joachimo Schultzen
by Simon Dach (1605–1659)
Was? soll ein Christ sich fressen, Vnd nur sein Leid ermessen, Nicht auff den Herren sehn? Den aus dem Creutze schliessen, Ohn welchen, wie wir wissen, Kein Vnglück kan geschehn?
Ohn Gott vermag vns allen Kein Härchen zu entfallen, Kein Finger weh zu thun, Er kan nicht mehr als wachen Für seiner Herde Sachen Wie vormals so auch nun.
Solt Er es anders meynen Als gut mit vns den seinen? Das gläub ich ewig nicht: In Trübnüs vns verlassen Vnd vnbarmhertzig hassen, Ist wider seine Pflicht.
Er weiß sich anzustellen, Als stürtz Er vns zur Hellen, Vnd wer vns spinnen-feind, Bleibt doch in allen Nöhten, Ja möcht Er vns auch tödten, Der allerbeste Freund.
Er kan mit tausent Leiden Sich so vnd so verkleiden In wilder Löwen Haut, Ist aber trew an Sinnen, Vnd wird bey jhm von innen Ein Vater-hertz geschawt.
Mit vnbekandten wegen Ist Er vns überlegen, Seyn Rath kömpt vns nicht bey, Doch bleibt sein weiser Handel Vnd vnerforschter Wandel Von allem Tadel frey.
Er pflegt nur seinen Frommen So grawsam vorzukommen, Wer weiß es was Er sucht? Er leitet vns zum guten, Vnd helt durch scharffe Ruten Vns in der Kinderzucht.
Drumb, o betrübte Seelen, Schawt aus den Trawer-Hölen Auff seines Trostes Liecht, Dem, der euch hat gequählet Vnd wund geschlagen, fählet Es auch an Hülffe nicht.
Bedenckt was dort geschrieben, Vns, die wir Gott recht lieben, Nutzt alles Creutz und Pein, Das Leid muß vnsre Wonne, Der Regen vnsre Sonne, Der Todt das Leben seyn.