German poem
Der Frawen Euphemien
by Simon Dach (1605–1659)
Wir klagen überall Das Noht und Todes-Fall Vns manches Leid erreget, Vnd nehmen nicht in acht Daß Gottes Eiffers Macht Vns also schläget.
Er, dessen Auge sieht Was in der Welt geschieht, Ja selbs die Sonne blendet, Nimmt mehr als fleißig war Was Boßheit hier und dar Sein Vrtheil schändet.
Mein Auffstehn, meine Rhu Vnd alles was ich thue Schwebt stets Ihm vor Gesichte, Mein Trotz insonderheit Steht bei Ihm iederzeit Wie vor Gerichte.
Auch was ich noch nicht merck' Es sey ein Sünden-Werck, Ist vor Ihm dargestellet Vnd warttet, was doch jhm Sein Zorn für Vngestüm Zum Vrtheil fället.
Nun klag des Lebens Frist Daß sie so flüchtig ist, Vnd wir so sparsam alten: Der Sünden Vngemach Vnd hierauff Gottes Rach' Heisst uns erkalten.
Drumb unsre Tage sind So schnell als kaum der Wind, Vnd unsre Jahre fliehen Vnd wir mit jhnen auch Gleich wie sich sonst ein Rauch Pflegt zu verziehen.
O Herr, lehr in der Zeit Vns unsre Sterblicheit Wol zu Gemühte fassen, Vnd mach uns hiedurch klug, Daß wir des Satans Trug Die Sünde lassen.
Kehr Dich doch wieder her, End unser Angstbeschwer, Vnd sollen wir dann reisen, So nimm uns auff zu Dir, Daß wir Dich zeitlich hier, Dort ewig, preisen!
More by Simon Dach
- Der 70. Psalm Davids
- Der 88. Psalm Davids zu einem Christlichen Sterblied
- Der des ewigen Lebens wil fähig werden
- Der Frauen Marianen, Grabschrifft
- Der Frommen Schutzherr seyn, der Bösen Stoltz bestreiten
- Der H. Bräutigam an seine Hertzgeliebte Fr. Braut
- Der wahren Christen rechter Wandel
- Des Himmels Seeligkeit stillt alles Hertzeleid