German poem
Die grosse Nichtigheit
by Simon Dach (1605–1659)
Die grosse Nichtigheit Der kurtzen Lebens-zeit Bekümmert meinen Sinn, Der Frewden güldner Schein Muß gantz verloschen seyn, Ich falle gar dahin: Schaw, wie ein Rauch entsteht, Dahin fährt, vnd vergeht, Wie Schäm vnd Schatten weichen, Wie man die Handt vmbwendt, Ein Pfeil die Lüffte trennt, So muß ein Mensch verbleichen.
Vnd dennoch, dennoch sind Wir tolles Volck so blind Vnd geben nichts darauff: Wir bawen in die Welt, Alß wer vns hie bestellt Der Ewigheiten Lauff; Der strebt durch Schwerd vnd Glut Nach Ehre, der nach Gut, Kan nicht ersättigt werden, Indessen kömpt der Todt, Vnd füllt vns mit dem Koht Der lang-erkratzten Erden.
O Thorheit, welche man Fast nicht ermässen kan! Der Himmel ist vns schlecht; Hie bawt man Hoff vnd Hauß Vnd schläget dort offt aus Das wahre Bürger-Recht: Ach endlich ist es gnug, Kompt, werdet einmal klug, Seht, wo ihr ewig bleibet, Wo weit von Pein vnd List Der Seelen Ruhstat ist Vnd kein Todt vns vertreibet.
Steht eilends auff, vnd wacht! Es ist vmb Mitternacht, Man klopfft schon an die Thür: Verseht die Lampen wol, Füllt sie mit Oele vol, Der Breutgam ist schon hier. Ach komm, Herr Jesu, bald! Komm, vnser Auffenthalt, Laß vns bereittet stehen, Hie wohnt nur Müh vnd Streit, Dort lauter Seeligheit, Wir wollen mit dir gehen!
More by Simon Dach
- Der Frommen Schutzherr seyn, der Bösen Stoltz bestreiten
- Der H. Bräutigam an seine Hertzgeliebte Fr. Braut
- Der wahren Christen rechter Wandel
- Des Himmels Seeligkeit stillt alles Hertzeleid
- Divitiis cunctisque bonis Ars inclyta præstat
- Drey wahren Charites, Vier wurden durch Beginn
- Du stiller Wald von Anmuht reich
- Dv armes Würmlein, hast genug