German poem
O Sonne
by Theodor Däubler (1876–1934)
O birg in kühnem Leben Sonnenstunden, Dein Wesen bleib um Wonne hold in Sorgen; Die Sonne schenkt sich fordernd: borg zu borgen, Laß eignen Überschwang durch Gold umrunden!
Wie froh gekühlte Sommermonde munden! In Weinesröte loht ein stolzer Morgen Der ewigen Erwachtheit traut geborgen: Sein Tag in uns singt alte Sonnenkunden.
O Sonne, meine Seele sei ein Garten, Berühre sacht der Triebe zartes Sprühen: Ein Mensch ist lenzgewohnt, weil voll Erwarten!
O Sonne, weil behutsam um mein Mühen: Wir fühlen freudig ferne Feuerfahrten, Die, fruchtbar durch den Geist, für dich erglühen!