German poem
April in Californien
by Theodor Kirchhoff (1828–1899)
Es erweckt der April im deutschen Land In Jedem des Aergers Gewalten. Ein falscher Geselle wird er genannt Von den Jungen sowohl wie den Alten; Und lächeln die Falten seines Gesichts, Falsch ist er und bleibt er – es hilft ihm nichts!
Gewiß verdroß ihn das ew’ge Geschelt, Als wär’ er voll Laster und Sünden. Drum kam er herüber zur Neuen Welt, Eine bessere Heimath zu finden, Und eilte durch Berge, Wüsten und Plan, Bis er schaute den westlichen Ocean.
Mir schien’s, als wär’ er der wonnige Mai, Der Juni, mit leuchtenden Blicken, Als jüngst ich ihn sah an Pablos Bai Bunt schimmernde Blumen pflücken, Als er lächelnd grüßte Sonómas Thal Und Napa mit goldigem Sonnenstrahl.
Die Fluren kleidet’ er all’ in Smaragd Und schmückte in zaubrischem Bilde Mit orangenglühender Blumenpracht Die von Eichen umsäumten Gefilde. Auf die Berge legt’ er mit Künstlerhand Von Ultramarin ein festlich Gewand.
In den Gärten streute der Pfirsich schon Von den Zweigen die rosigen Blüthen, Und Fuchsien prangten und bunter Mohn; Aus den Büschen am Boden glühten, Als wären’s Karfunkeln mit rothem Strahl, Die Erdbeeren, reif zum würzigen Mahl.
Auf den Feldern standen in endlosen Reih’n Die Rebenstöcke und tranken Mit Lust den strahlenden Sonnenschein. Es schwoll der Saft in den Ranken Und drängte zum Licht sich, mit heißem Blut Auf’s neu’ uns zu spenden der Sonne Gluth.
Die Lerchen sangen aus blauer Luft Ihr Lied in die blühenden Lande, Die Sträucher athmeten wonnigen Duft Im festlichen Frühlingsgewande, Und deutsche Männer, mit frohem Gesang, Die zechten beim tönenden Gläserklang.
Diesen Becher mit feurigem Napawein, Ihn will ich heute zu Ehren Des heitern April auf blumigem Rain In durstigen Zügen leeren. Hoch sei er gepriesen, der lachende Fant, Der Liebling vom Californialand!