German poem
Eine Frühlingsnacht
Im Zimmer drinnen ist's so schwül; Der Kranke liegt auf dem heißen Pfühl.
Im Fieber hat er die Nacht verbracht; Sein Herz ist müde, sein Auge verwacht.
Er lauscht auf der Stunden rinnenden Sand; Er hält die Uhr in der weißen Hand.
Er zählt die Schläge, die sie pickt, Er forschet, wie der Weiser rückt;
Es fragt ihn, ob er noch leb' vielleicht, Wenn der Weiser die schwarze Drei erreicht.
Die Wartfrau sitzt geduldig dabei, Harrend, bis alles vorüber sei. –
Schon auf dem Herzen drückt ihn der Tod; Und draußen dämmert das Morgenrot.
An die Fenster klettert der Frühlingstag. Mädchen und Vögel werden wach.
Die Erde lacht in Liebesschein, Pfingstglocken läuten das Brautfest ein;
Singende Bursche ziehn übers Feld Hinein in die blühende, klingende Welt. –
Und immer stiller wird es drin; Die Alte tritt zum Kranken hin.
Der hat die Hände gefaltet dicht; Sie zieht ihm das Laken übers Gesicht.
Dann geht sie fort. Stumm wird's und leer; Und drinnen wacht kein Auge mehr.