Versos German Theodor Vulpinus Verdorben – gestorben

German poem

Verdorben – gestorben

by (1844–1910)

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Zwei Tote liegen im Leichenhaus, – Die Särge zahlt die Gemeinde, – Ein junges Weib, ein hagerer Mann, Der Bettler Franz, die Dirn’ Susann’; Im Leben waren sie Feinde.

Sie wuchsen, Nachbarkinder, auf Und gingen zusammen zur Schule Und gingen zusammen zum Tisch des Herrn, Und gingen zusammen zum Tanzplatz gern Und wurden Buhl und Buhle.

Die Alten starben; da haben die Zwei Sich treulos bald verlassen. Die Dirn war schön und heiss ihr Blut, Der Bursch stolz, ohn’ Hab und Gut; Aus Lieben wurde Hassen.

Die Dirne flog von Arm zu Arm Und ging in seidenen Fetzen; Der Bursch im Trunk das Leid vergass, Bis endlich Bettlerbrot er ass, Sich selber ein Entsetzen. Die Dirne starb in fremdem Bett, Der Bursch am Zaun auf der Strasse. – Nun liegen hier beisammen sie In kahler Kammer, die sich nie Gegrüsst mehr auf der Gasse.

Nun liegen sie, die Augen starr Geöffnet nach der Decke; Und langsam schaufelt und murrt dabei Der Graubart dorten Gräber zwei Hart an des Kirchhofs Ecke.