Versos German Torquato Tasso Bruchstück aus Tasso

German poem

Bruchstück aus Tasso

by (1544–1595)

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„Ist denn der Arm – schreyt er dem Feind entgegen – So gar verächtlich und so sehr geringe, Daß, gegen mich dein stolzes Blut zu regen, Trotz aller Kraftanstrengung, ihm mißlinge?“ Er schwieg, und schwang, wild, tödtlich seinen Degen; Durch Stahl und Panzeringe schlägt die Klinge Und trifft des Sultans Hüfte, daß die lauen Bluttropfen ihm aus großer Wunde thauen.

Auf den Latin jetzt wandte Zorn und Schneide Bei diesem Schreyn, bei diesem Schlag der Wilde. Den Halsberg auseinander schlägt der Heide, Zusammt dem harten Siebenlederschilde, Und jagt dem Feind den Stahl in die Geweide; Der Arme stürzt, und röchelt am Gefilde Sein Blut aus, das in Strömen sich ergießet, Und jetzt der Wunde, jetzt dem Mund entschiesset.

Wie im Gebürg ein Baum, der Hohn gesprochen Im wildsten Kampf, vom Ost, vom Nord umkreiset, Wann endlich ihn ein Wirbelwind gebrochen, Den Wald, verwüstend, rings zu Boden schmeisset: So stürzt er, wüthig, hin, nicht ungerochen, Da noch im Sturz er Viele mit sich reisset! Traun, für den kühnen Mann ein würdig Sterben: Denn noch sein Umsturz bringt dem Feind Verderben. Indeß der Sultan so die Wuth verschnaubte, Den langen Hunger sättigend durch Morden: Hausen, entflammt von ihrem Oberhaubte, Im Christenvolk gleich gräßlich seine Horden. Dem Heinrich, Holofern dem Bayern raubte Dragut das Licht. Zu Leichen sind geworden Gilbert und Filipp, Arjaden! durch deine Schwerdklinge; Beyd’ erzeugt im Land bey Reine.

Den Ernst erschlägt Albazar mit der Keule; Algazels Pallasch mordet Engerlanden. Doch wer verzählt von jedem Mord und Greule? Wer sagt, wieviel geringre Männer schwanden? Gottfried ist wach beym ersten Schlachtgeheule; Säumt nicht ein Nu; schon ganz in Stahlgewanden; Schon hat er mächt’ge Waffen sich getürmet, Schon kömmt er mit dem Banner angestürmet.

Er, als er nach dem Schrepen das Gelärme, Das gräul’cher stets zu dröhnen scheint, vernommen, Denkt gleich, daß dort Arabia’s Räuberschwärme Mit jähem Ueberfall den Wall erklommen. Denn daß dieß Volk die Gegend stets durchschwärme, Das war dem Feldherrn längst zu Ohren kommen; Doch freylich solch Gesindel, feig und flüchtig, Schien ihm zu dieser Keckheit nimmer tüchtig.

Hin zog er jetzt; da horch! ein andres Dröhnen, Und „Waffen! Waffen!“ schreyts von jener Seite; Und Schlachtgeheul der Heiden macht erstöhnen Urplötzlich, gräßlich, rings des Himmels Weite. Das ist Klorinde! mit den Heidensöhnen Von Sion jagt sie, mit Argant, zum Streite. - Jetzt kehrt zum edlen Welf, der allerorten Sein Amt vertritt, sich Gottfried mit den Worten:

„Hört Ihr, wie von der Stadt, vom Hügel droben Die Feind’ uns neuen Waffenlärm begannen? Dort muß sich Eure Kraft und Kunst erproben, Des Feindes ersten Ansturm jetzt zu bannen! Wolan! so eilet; steuert da dem Toben; Nehmt mit Euch einen Theil von meinen Mannen: Indeß ich drüben mir dem andern Theile Den Feindesanfall aufzunehmen eile.“

So ordnen sie’s und ziehn mit gleichen Loosen Verschiednen Pfads entgegen den Gefahren; Zum Hügel, Welf; Gottfried nach jenem Tosen Der Araber, die unbekämpft schon waren. Doch mehrt im Gehn er stets die Macht; es stoßen Wol Schritt vor Schritt zum Feldherrn neue Schaaren. Hin kömmt er, schon gewaltig angeschwollen, Wo durch des Türken Wuth die Ströme quollen.

So füllt der Donaustrom, dem Quell entsprungen, Das enge Bett nicht aus mit schwachen Wogen. Doch stets und stets, je weiter er gedrungen, Schwillt Kraft und Stolz. Schon mächtig, schon verwogen Hat er sein Hörnerhaubt hochauf geschwungen, Dammbrechend, siegreich kömmt er angezogen, Stößt auf das Meer mit mächtigem Geschwader Und scheint nicht Zoll zu bringen, sondern Hader! Hin jagt der Feldherr, wo das wild verworrne Kriegsvolk er fliehen sah in Angst und Zagen. „Wohin? was jagt euch? ruft er jetzt im Zorne. So schaut doch, wer sie sind, die hier euch jagen! Gesindel jagt euch, welches nie von vorne Die Wunden kann empfangen oder schlagen; Das, wenn ihr nur die Brust entgegen hebet, Schon vor den Schwerdtern eures Blicks erbebet!“

Er sprachs, den Zelter spornend. Schon erkennt er Die Feuersbrunst, vom Sultan ausgegossen. Mitten durch Blut und Staubgewölke rennt er, Durch Eisen, Graun und Mord dahergeschossen, Mit Haun und Rennen öffnet er und trennt er Die Weg’ und Glieder, eng und fest geschlossen; Rings um sich, auseinander, schmeißt und streut er Gewehre mit Bewehrten, Roß und Reuter.

Aus Leichenhügeln, über tiefes Grauen, Von Sprung zu Sprung, folgt Gottfried seinen Wegen. Den Sultan kann’s, sieht er gleich nah’n den rauhen Schlachtsturm, zu Flucht und Weichen nicht bewegen. Nein, ihm entgegen wirft er sich, zum Hauen Drängt er hinan mit hochgeschwungnem Degen. O, welch ein Ritterpaar will, von den Enden Der Welt, das Schicksal hier zum Kampfe senden!

Schlacht will die Wuth mit Männertugend wagen Um Asiens großes Reich im engsten Ringe. Wer singt, wie gräßlich ward die Schlacht geschlagen? Wie rasch, wie schwer geschwungen ward die Klinge? Nichts von den gräul’chen Dingen will ich sagen; Sie deckt des Dunkels mitternächt’ge Schwinge; Kriegsthaten, welche würdig sind, in Wahrheit, Vor aller Welt zu stehn in Sonnenklarheit. Und Jesu Volk, von solchem Schlachtgeleiter Geführt, drängt wieder vor mit kühnem Muthe. Dicht schaaren sich die bestbewehrten Streiter Rings um den Sultan, der im Mord nicht ruhte. Mehr Christen nicht, denn Heiden, sanken weiter; Das Lager ward gefärbt mit gleichem Blute; Und beyde Theile, siegend, überwunden, Empfangen und ertheilen Todeswunden.

So sieht man Nord und Süd zum Kampfe streichen, Mit gleicher Kraft und Kühnheit angeflogen; Nicht der noch der, nicht Meer, nicht Himmel, weichen, Nur Wolk’ an Wolke, Wogen wider Wogen: So steht der Heide, steht der Christ desgleichen, So hart, so bitter ward der Schlacht gepflogen. Gleich gräßlich auseinander mit Geprassel Prallt Schild an Schild, an Helm Helm, Schwerdgerassel.

Indessen schlug man drüben auch nicht milder; Nicht minder dichtgedrängt sind hier die Schlachten. Dick wölkt der Himmel sich, voll Schreckensbilder Vom Höllenpfuhl gepfropft. Die aber machten Der Heiden Kraft gewaltiger und wilder. Daß noch die Völker nicht an Rückzug dachten. Es brennt die Höllenfackel im Argante Der in der eignen Flammenbrunst schon brannte.

Er, der die Wach’ auch gleich in Flucht versetzte, Kömmt über Wall mit einem Satz geschwungen, Füllt rings die Lagergräben durch Zersetzte, Bricht Bahn zum Ansturm, räumt die Hinderungen; Daß Blut die ersten Zelte dort benetzte, Nachdem sein Volk, ihm nach, hineingedrungen. Wenn mit ihm nicht, kam nach ihm gleich Klorinde, Unwillig, daß den zweiten Platz sie finde.