German poem
Gründliche Heilung
Es saß der fromme Meister Mit Weib und Kind bei Tisch. Ach, seine Lebensgeister Sind nicht wie sonst so frisch.
Er sitzt mit krummem Nacken Vor seinem Leibgericht, Er hält sich beide Backen, Worin es heftig sticht.
Das brennt wie heiße Kohlen. Au, schreit er, au, verdammt! Der Teufel soll sie holen, Die Zähne allesammt!
Doch gleich, wie es in Nöthen Wohl öfter schon geschah, Begann er laut zu beten: Hilf, Apollonia!
Kaum daß aus voller Seele Er diesen Spruch gethan, Fällt aus des Mundes Höhle Ihm plötzlich jeder Zahn.
Und schmerzlos, Dank dem Himmel, Schmaust er, wie sonst der Brauch, Nur war es mehr Gemümmel, Und lispeln thät er auch.
Pohsit! Wie klingt so niedlich Des Meisters Säuselton. Er trank, entschlummert friedlich, Und horch, da schnarcht er schon.
3. August 1907 an die »Lustige Woche« gegeben.