German poem
Nun, da die Frühlingsblumen wieder blühen
In milder Luft die weißen Wolken ziehen, Denk ich mit Wehmuth deiner Lieb und Güte, Du süßes Mädchen, das so früh verblühte. Du liebtest nicht der Feste Lärm und Gaffen, Erwähltest dir daheim ein stilles Schaffen, Die Sorge und Geduld, das Dienen, Geben, Ein innigliches Nurfürandreleben. So theiltest du in deines Vaters Haus Den Himmelsfrieden deiner Seele aus. Bald aber kamen schwere, schwere Zeiten. Wir mußten dir die Lagerstatt bereiten; Wir sahn, wie deine lieben Wangen bleichten, Sahn deiner Augen wundersames Leuchten; Wir weinten in der Stille, denn wir wußten, Daß wir nun bald auf ewig scheiden mußten. Du klagtest nicht. Voll Milde und Erbarmen Gedachtest du der bittern Noth der Armen, Gabst ihnen deine ganze kleine Habe Und seufztest tief, daß so gering die Gabe. Es war die letzte Nacht und nah das Ende; Wir küßten dir die zarten weißen Hände; Du sprachst, lebt wohl, in deiner stillen Weise, Und: oh, die schönen Blumen! riefst du leise. Dann war's vorbei. Die großen Augensterne, Weit, unbeweglich, starrten in die Ferne, Indeß um deine Lippen, halbgeschlossen, Ein kindlichernstes Lächeln ausgegossen. So lagst du da, als hättest du entzückt Und staunend eine neue Welt erblickt. Wo bist du nun, du süßes Kind, geblieben? Bist du ein Bild im Denken deiner Lieben? Hast du die weißen Schwingen ausgebreitet, Und zogst hinauf von Engelshand geleitet Zu jener Gottesstadt im Paradiese, Wo auf der heiligstillen Blüthenwiese Fernher in feierlichem Zug die Frommen Anbetend zu dem Bild des Lammes kommen? Wo du auch seist; im Herzen bleibst du mein. Was Gutes in mir lebt, dein ist's allein.