Versos German Wilhelm Busch Trauriges Resultat einer vernachläßigten Erziehung

German poem

Trauriges Resultat einer vernachläßigten Erziehung

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Ach, wie oft kommt uns zu Ohren, Daß ein Mensch was Böses that, Was man sehr begreiflich findet, Wenn man etwas Bildung hat.

Manche Eltern sieht man lesen In der Zeitung früh bis spät; Aber was will dies bedeuten, Wenn man nicht zur Kirche geht?

Denn man braucht nur zu bemerken, Wie ein solches Ehepaar Oft sein eig’nes Kind erziehet, Ach, das ist ja schauderbar!

Ja, zum In’stheatergehen, Ja, zu so was hat man Zeit, Abgeseh’n von and’ren Dingen, Aber wo ist Frömmigkeit?

Zum Exempel, die Familie, Die sich Johann Kolbe schrieb, Hatt’ es selbst sich zuzuschreiben, Daß sie nicht lebendig blieb.

center|150px Einen Fritz von sieben Jahren Hatten diese Leute blos, Außerdem, obschon vermögend, Waren sie ganz kinderlos.

Nun wird Mancher wohl sich denken: Fritz wird gut erzogen sein, Weil ein Privatier sein Vater; Doch da tönt es leider: Nein!

Alles konnte Fritzchen kriegen, Wenn er seine Eltern bat, Aepfel-, Birnen-, Zwetschkenkuchen, Aber niemals guten Rath.

Das bewies der Schneider Böckel, Wohnhaft Nr. 5 am Eck; Kaum, daß dieser Herr sich zeigte, Gleich schrie Fritzchen: meck, meck, meck!

center|250px Oftmals, weil ihn dieses kränkte, Kam er und beklagte sich, Aber Fritzchens Vater sagte: Dieses wäre lächerlich.

Wozu aber soll das führen, Ganz besonders in der Stadt, Wenn ein Kind von seinen Eltern Weiter nichts gelernet hat?

So was nimmt kein gutes Ende. – Fast verging ein ganzes Jahr, Bis der Zorn in diesem Schneider Eine schwarze That gebar.

Unter Vorwand eines Kuchens Lockt er Fritzchen in sein Haus, Und mit einer großen Scheere Bläst er ihm das Leben aus.

center|250px Kaum hat Böckel dies verbrochen, Als es ihn auch schon schenirt, Darum nimmt er Fritzchens Kleider, Welche grün und blau karrirt.

Fritzchen wirft er schnell in’s Wasser, Daß es einen Plumpser thut, Kehrt beruhigt dann nach Hause, Denkend: So, das wäre gut!

Ja, es setzte dieser Schneider An die Arbeit sich sogar, Welche eines Tandlers Hose Und auch sehr zerrissen war.

Dazu nahm er Fritzchens Kleider, Weil er denkt: dich krieg’ ich schon! Aber ach! ihr armen Eltern, Wo ist Fritzchen, euer Sohn?

In der Küche steht die Mutter, Wo sie einen Fisch entleibt, Und sie macht sich große Sorge: Wo nur Fritzchen heute bleibt?

Als sie nun den Fisch aufschneidet, Da war Fritz in dessen Bauch. – Todt fiel sie in’s Küchenmesser Fritzchen war ihr letzter Hauch.

center|250px Wie erschrack der arme Vater, Der g’rad’ eine Priese nahm; Heftig fängt er an zu niesen, Welches sonst nur selten kam.

Stolpern und durch’s Fenster stürzen, Ach, wie bald ist das gescheh’n! Ach! und Fritzchens alte Tante Muß auch g’rad’ vorüber geh’n.

Dieser fällt man auf den Nacken, Knacks! da haben wir es schon! Beiden theuren Anverwandten Ist die Seele sanft entfloh’n.

center|250px D’rob erstaunten viele Leute Und man munkelt allerlei, Doch den wahren Grund der Sache Fand die wack’re Polizei.

Nämlich Eins war gleich verdächtig: Fritz hat keine Kleider an! Und wie wäre so was möglich, Wenn es dieser Fisch gethan?

Lange fand man keinen Thäter, Bis man einen Tandler fing, Der, es war ganz kurz nach Ostern, Eben in die Kirche ging.

center|250px Ein Gensdarm, der auf der Lauer, Hatte nämlich gleich verspürt, Daß die Hose dieses Tandlers Hinten grün und blau karrirt.

center|250px Und es war ein dumpf’ Gemurmel Bei den Leuten in der Stadt, Daß ’ne schwarze Tandlerseele Dieses Kind geschlachtet hat.

Hochentzücket führt den Tandler Man zur Exekution; Zwar er will noch immer mucksen, Aber Wupp! da hängt er schon. –

center|125px Nun wird Mancher hier wohl fragen: Wo bleibt die Gerechtigkeit? Denn dem Schneidermeister Böckel Thut bis jetzt man nichts zu leid.

Aber in der Westentasche Des verstorb’nen Tandlers fand Man die Quittung seiner Hose Und von Böckel’s eig’ner Hand.

Als man diese durchgelesen, Schöpfte man sogleich Verdacht Und man sprach zu den Gensdarmen: Kinder, habt auf Böckel acht!

Einst geht Böckel in die Kirche. Plötzlich fällt er um vor Schreck, Denn ganz dicht an seinem Rücken Schreit man plötzlich: Meck, meck, meck!

center|250px Dies geschah von einer Ziege; Doch für Böckel war’s genug, Daß sein schuldiges Gewissen Ihn damit zu Boden schlug.

Ein Gensdarm, der dies verspürte, Kam aus dem Versteck herfür, Und zu Böckel hingewendet Sprach er: Böckel, geh’ mit mir!

Kaum noch zählt man 14 Tage, Als man schon das Urtheil spricht: Böckel sei auf’s Rad zu flechten. Aber Böckel liebt dies nicht

Ach! die große Schneiderscheere Ließ man leider ihm, und Schnapp! Schnitt er sich mit eig’nen Händen Seinen Lebensfaden ab.

center|250px Ja, so geht es bösen Menschen. Schließlich kriegt man seinen Lohn. Darum, o ihr lieben Eltern, Gebt doch Acht auf Euern Sohn.