German poem
Ballade von Edwin
by Wilhelm Hertz (1835–1902)
Es liegt in Blut und Banden Der treue Held Edwin; Die wilden Henker stehen In finst’rer Scheu um ihn.
„O schickt zu meinem König, Sagt euren Sieg ihm an! Er zahlt euch reiche Lösung. Ich war sein treu’ster Mann.“
Dein König zecht im Saale, Deß Grämen ist nicht groß; Weh’ dir, daß deine Tugend Sein arges Herz verdroß!
„So schickt zu meinem Bruder, Dem Wiking kühn und werth! Er zahlt euch reiche Lösung, Und mehr, als ihr begehrt.“ Dein Bruder hat gestohlen Dein Raubschiff schwarz und hehr; Er fährt mit lust’gen Wimpeln Durch Nordlands düstres Meer.
„So schickt zu meinem Freunde! So schickt zu meiner Maid! Sie zahlen reiche Lösung An Waffen und Geschmeid.“
Dein Lieb verträumt dein Leiden, Du machst ihr kleinen Harm; Sie athmet süße Gluthen In deines Freundes Arm.
„So klag ich’s Wind und Wolken, Die sagen’s dem Wodan an, Wie alle Welt verlassen Den todeswehen Mann!“
Und Wind und Wolken zogen Im Dämmergrau dahin. Es starb am Marterpfahle Der treue Held Edwin.