German poem
Der Ave Maria-Ritter
by Wilhelm Idel (1849–1927)
Ein Ritter war der Fehden müd’, Kein Heil ist ihm daraus erblüht. Will frommer Klosterbruder sein, Zu Altenberg da kehrt er ein: „Ave Maria!“
„Ihr Brüder, sparet euch die Müh’, Daß ihr mich lehret spät und früh! Sie wär’ verloren, wie ihr seht. Mir ist’s genug mit dem Gebet: Ave Maria!“
Ob sie ihm stündlich sprechen vor Das Credo und Confiteor, Ihm will’s nicht in den Kopf hinein; Sein frommer Mund, er spricht allein: „Ave Maria!“
So hielt er’s bis zu seinem End’. – Als ihm gereicht das Sakrament, Ein Schein umleuchtet sein Gesicht, Und seine Lippe leise spricht: „Ave Maria!“
Was wächst aus seinem Grab hervor? Eine Lilie in schneeweißem Flor. Ihr Glanz verklärt die Ruhestatt, Es schimmert hell auf jedem Blatt: „Ave Maria!“
Die Brüder kommen all zuhauf. "O, laßt die Gruft uns graben auf!" Da wird ein großes Wunder kund: Die Blum’ entsprießt des Toten Mund. „Ave Maria!“
„Einfältigen und treuen Sinn. Erhöht die Himmelskönigin,“ Der greise Prior bebend spricht „Die Liebe braucht der Worte nicht! – Ave Maria!“