German poem
Sonett CXVIII
by William Shakespeare (1564–1616)
Wie, um die Eßlust gier’ger zu erhöh’n, Den Gaumen wir mit scharfen Tränken quälen, Wie, ungesehnen Uebeln zu entgeh’n, In Arzenei’n wir uns die Krankheit wählen: So hab’, von deiner Süße vollgenährt, Ich gern bequemet mich zu herben Brühen; Vor Wohlfahrt krank ward Labung mir gewährt, Daß ohne Noth ich Krankheit mir verliehen. So schlau ist Liebe! um zuvorzukommen Den Uebeln, die nicht sind, wählt sichre sie; Des Trankes Heilkraft soll Gesunden frommen, Das Gut’ erstarkt durch herben Uebels Müh’. Doch davon lern’ ich, wie so wahr es sei: Wer krank an dir, dem wird nur Gift Arz’nei.