German poem
Du schaust mein Antlitz ohne Maske
by Ada Christen (1839–1901)
Du schaust mein Antlitz ohne Maske, Und doch verlässest du mich nicht; So reizt dich noch das thränenblasse Verhärmte Leidensangesicht?
Du drängst dich auch zu dem Gelage, Das meiner Wiederkehr geweiht; Du hörst es still und seltsam lächelnd, Wie Jeder meinen Namen schreit.
Du sprichst so ruhig mit den Männern, Die frech mir Mund und Arme küssen; Du stimmst mit ein in die Toaste, Womit sie jauchzend mich begrüßen.
Was willst du mit den starren Blicken – Ist's Spott, der mir entgegenschaut? Laß ab von mir! Du bist ein Wesen, Vor dem mir bangt, vor dem mir graut!