Versos German Albert Moeser Lied der Wandervögel im Süden

German poem

Lied der Wandervögel im Süden

by (1835–1900)

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Nun weht im deutschen Walde Der feuchte Frühlingswind, In Blumen prangt die Halde, Der letzte Schnee zerrinnt; Nach öder Winterplage Schmückt neu mit Grün sich Baum und Strauch, Es werden lang die Tage: – Nun auf! Zum deutschen Hage Zieh’n wir mit linder Lüfte Hauch.

Wohl sind wir zu beneiden: Wenn Blatt um Blatt im Hain Sich erdwärts senkt, dann meiden Wir klug des Nordens Pein; Indeß in Wintergrüften Natur entschläft im deutschen Land, Zieh’n ob des Gotthards Klüften Mit Wolken hoch in Lüften Wir nieder zu des Niles Strand.

In’s Land der Pyramiden Strebt unser Flug in Hast, In stolzer Palmen Frieden Winkt süße Winterrast; Wenn rings des Lebens Spuren Daheim im Schnee begraben sind, Umblüh’n uns grüne Fluren, Der Aether lacht azuren, Und Lotuskelche duften lind.

Doch – weht die Luft auch milde, Glüh’n Blumen auch in Pracht – Uns locken Saatgefilde Und deutsche Waldesnacht; Zum nord’schen Wanderziele Schweift Sehnsucht suchend immerdar. Kein Lied ertönt am Nile; Zu süßem Minnespiele Eint nie sich dort ein trautes Paar.

Und wenn der Hauch des Märzen Umspielt der Barke Kiel, Mit wanderfrohen Herzen Zieh’n heimwärts wir vom Nil; Weitab von Memphis’ Thoren Trägt uns der Flug zum Apennin; In blauen Duft verloren Bald grüßen die Cadoren, Und froh seh’n wir die Alpen glüh’n.

Und von der Alpen Schroffen Nach Ost und West und Nord Zieh’n wir in süßem Hoffen Zum trauten Heimathsort; Des Harzwald’s Felsenplatten, Des Rheines grünes Uferried, Thüringens Wiesenmatten Seh’n Paar um Paar sich gatten Und hall’n von Lust und Lieb’ und Lied.

Wir seh’n, wie täglich dichter Ergrünt der Buchenwald, Wie gold’ger stets und lichter Die Saat im Winde wallt; Der Bach in Waldesräumen Stürmt jauchzend her zum Frühlingsfest; An grünen Ufersäumen Seh’n wir Verliebte träumen Und grüßen sie aus lausch’gem Nest.

Albert Moeser.