German poem
Zum October-Jubiläum auf der Wartburg
by Albert Traeger (1830–1912)
Des Mannes erste Wissenschaft, Das Vaterland zu lieben, Wie hast du, deutsche Burschenschaft, Voll Eifer sie getrieben! Es rief, du griffest kampfbereit Zum Schwerte von der Feder, Dein Hörsaal war die große Zeit, Das Schlachtfeld dein Katheder.
Und als des Volkes blut’ge Saat Um alle Frucht betrogen, Im Dunkeln schleichender Verrath Sein tückisch Netz gezogen, Auf’s Neue standest du voll Muth Zum heil’gen Kampf verbündet, Und hast an deines Zornes Gluth Den Holzstoß angezündet.
Kein Freudenfeuer sollt’ entloh’n, Es war ein Scheiterhaufen Für Alle, die mit schnödem Hohn Das gute Recht verkaufen; Verfinstert hatten sie das Land Und mußten’s nun erhellen, Wie krümmten knisternd sich im Brand Die feilen „Schmalzgesellen“!
Da ward manch’ kräft’ger Spruch getauscht, Daß sich die Fäuste ballten, Der wilde Nachtsturm hat gerauscht In deiner Fahne Falten, Und von der Burg, da Gottes Wort Zuerst einst deutsch erklungen, Hast du, der Freiheit letzter Hort, „Frei ist der Bursch!“ gesungen.
Du sangst es noch, daß sich entsetzt Die Büttel und die Kriecher, Als schon zu Tode dich gehetzt Die Demagogenriecher; Doch ließ dich der Verfolger Wuth In Haft und Acht verkommen, Aus deiner Asche ist die Gluth Zur Flamme hoch entglommen.
Und was du nur zur Nacht vertraut Schweigsamen Felsenmassen, Am hellen Tag ertönt es laut Weithin auf Markt und Gassen: „Ihr deutschen Brüder, schließt die Reih’n, Austilgt die lange Schande, Wir wollen frei und einig sein Im deutschen Vaterlande“!
Gesegnet, deutsche Burschenschaft, Sei ewig deine Tugend, Nie fehle uns’rer Manneskraft Das Feuer deiner Jugend, Und wenn uns die Erfüllung naht, Fiel noch die letzte Schranke, Wir sagen: Unser ist die That, Doch dein bleibt der Gedanke!