Versos German Amalie von Imhoff Die weiblichen Erscheinungen

German poem

Die weiblichen Erscheinungen

by (1776–1831)

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Hebt nicht das Herz sich höher der entgegen Aus deren Blick die holde Jugend lacht, Die Charis schmückt! Wie folget ihren Wegen Des Jubels Ruf, wer fühlt nicht ihre Macht? Stolz fühlet sie der hohen Göttinn Segen, Und tritt einher mit königlicher Pracht. Des Siegs gewohnet schaut sie ins Gedränge, Das dort sich häuft; ihr weicht die frohe Menge.

Doch wagend nicht die Augen zu erheben, Folgt still die Jungfrau der zu früh entwich Der frohen Jugend frisch bekränztes Leben, Zu früh der Wangen Rosenroth verblich. Den Busen hebt ein unerfülltes Streben, Sie naht verschämt der lauten Menge sich. Doch keiner hört den Wohllaut ihrer Worte Und weichet nicht von dem gewählten Orte.

Wer nahet sich mit Anmuth in den Zügen Nicht achtend ob auf sie die Menge blickt? In ihrem Arm sieht man den Knaben liegen. In ihm nur scheint das frohe Herz beglückt. Ihr kann des Beifalls Stimme nicht mehr gnügen Dem leeren Tand der Welt ist schon entrückt Der reine Sinn; sie fühlt ein höhres Streben, Als in dem Lob der Menge nur zu leben.

Mit Milde schließt sich an, an die Gestalten Die Mutter mit dem schönen Töchterpaar, Man sieht in ihnen sich den Reiz entfalten Der einst die Zierde ihrer Jugend war, Vereint mit Sanftmuth sieht man Sitte walten, Und wird des strengen Ernstes nicht gewahr. So bildet sie nach ihrer Jugend Weise Die Töchter zu des Hauses stillem Kreise.

Doch langsam schließt sich an den bunten Reyhen Das Alter an, mit traurendem Gemüth, Erblickt voll Ernst des Lebens Tändeleyen, Der Jugend heitre Farben sind verglüht; Kaum kann die Gegenwart das Aug erfreuen, Das nicht in neues Leben hoffend sieht. Da strebt das Herz sich höhere Gestalten Im reifen Geist lebendig fest zu halten.