Versos German Andreas Gryphius Verlangen nach den Ewigen Hügeln

German poem

Verlangen nach den Ewigen Hügeln

by (1616–1664)

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Der schnellen tage Traum: Der leichten jahre raum Rennet mit vnß nach der schwartzen Bar: Eh' ich die zeit erkent Wird meine zeit vollendt.

Wir dringen durch die welt (Die stündlich wächst vnd fällt/) Nach der erblaßten Völcker schar! Wir die wir lebend todt/ Vnd stets voll herber noth.

Mit Thränen grüssen wir/ In thränen lebt man hier: Mit thränen gibt man gutte nacht! Was ist der Erden Saal? Ein herber thränen Thal!

Wie Rosen die wir zihn. Auff Dörnern nur verblühn. Wie ein verworff'nes Kind verschmacht: So muß wer hie wil stehn In kummer vntergehn.

Gegensatz. 1.

Wenn der Morgenglantz der Erden Tausendfaches leidt entdeckt! Ruff ich: Ach/ wie wird es werden! Ach wie wird mein Hertz erschreckt/

Wenn die Nacht nun eingeschlichen Vnd der stille Mond erwacht: Schrey ich! ach wer ich erblichen. Würd' ich doch ins Grab gebracht.

Platz der ewig-stätten wonne, Ewig-lichter Himmelbaw/ Wie daß ich nicht deine Sonne/ Meiner Seelen licht anschaw?

Wer mag die nicht seelig nennen Die auff deinen lichtern gehn? Vnd der Lichter Fürst erkennen; Die an GOTTES seiten stehn.

Satz. 5.

O Burg der sterbligkeit! O Kercker voll von Leidt! O Erden Leichen-volle grufft! O Schlachtbanck/ Stock vnd See/ O Abgrund-tieffes weh'!

Wie lange zieh' ich noch Beschwert an deinem Joch'. Wie daß mir nicht mein Liebster rufft? Der mich mit trost entsetzt/ Wenn mich die Angst verletzt!

Ach! meiner Seelen licht! Ach meine zuversicht! Erquicke mich in diesem schmertz! Ernewre die Gedult/ Vergiß der alten Schuldt!

Reiß/ was mich bindt/ entzwey! Vnd mach' auß nöthen frey Ein dir so fest-verlobtes Hertz! Vnd führ auß dieser pein Mich in dein Wonhauß eyn.

Gegensatz. 5.

Wenn wirst du die nassen wangen Trücknen mit der sanfften Handt? Ach/ wenn wirst du mich vmbfangen Mit der süssen Arme bandt?

Wenn wirst du von meinem Rucken Reissen dieser Bürden pein/ Die mich vnauffhörlich drücken? Komm' Erlöser brich doch ein!

Kom gewündschter/ laß mich küssen Dein liebreiches Angesicht! Heiß den Himmel mir auffschlissen: Nun mit wonung hier gebricht!

Gutte Nacht verfluchtes Leben! Das man vnrecht leben nennt! Der sich einig dir ergeben; Hatt/ was leben/ nie erkennt.