German poem
Verwünschte Heiligkeit der Ehe!
by Anna Louisa Karsch (1722–1791)
Ehe Sehe Stand Brand Klage Plage Einerlei Entzwei Denker Qual Wahl.
Verwünschte Heiligkeit der Ehe! Ich zittre, wenn ich noch im Geist zurücke sehe, Abscheulich war der Sclavenstand, Ein nur mit Menschenhaut bezogner Höllenbrand Trat herrisch vor mir hin und brüllte meine Klage Mit bitterm Spotte nach, und war geborne Plage Für mein so sanftes Herz; mein ewig Einerlei Blieb er zehn volle Jahr, riß oft ein Blatt entzwei, Ganz von Gedanken voll, denn dieser Mann, kein Denker, War fehlbar durch den Rausch, war meines Lebens Henker, Sein Gang, sein Wort, sein Blick, war alles meine Qual, O Gott! behüte mich für eine Mannes-Wahl.
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